{"id":79856,"date":"2015-03-18T00:00:00","date_gmt":"2015-03-17T23:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/foraus.ch\/blog-post\/welche-integration-homogene-gesellschaft-als-illusion\/"},"modified":"2026-05-27T11:21:06","modified_gmt":"2026-05-27T09:21:06","slug":"welche-integration-homogene-gesellschaft-als-illusion","status":"publish","type":"blog-post","link":"https:\/\/foraus.ch\/fr\/blog-post\/welche-integration-homogene-gesellschaft-als-illusion\/","title":{"rendered":"Welche Integration? Homogene Gesellschaft als Illusion"},"content":{"rendered":"\n<div class=\"fo-blog__detail__content__excerpt\">\n\n<b>Im Rahmen neuer Perspektiven auf die postmigrantische Gesellschaft findet Ende M\u00e4rz in Z\u00fcrich eine <\/b><a href=\"http:\/\/www.zgw.ethz.ch\/fileadmin\/ZGW\/veranstaltungen\/2015\/ZGW_WissenInGesellschaft1_Faltflyer_Postmig.pdf\" rel=\"nofollow noopener\"><b>Veranstaltung des Zentrums \u201eGeschichte des Wissens\u201c der ETH und der Universit\u00e4t Z\u00fcrich<\/b><\/a><b>\u00a0zum Thema \u201eWas kommt nach der Integration?\u201c statt. Die Veranstalter betonen im Vorfeld, dass die heutige Debatte um den Integrationsbegriff zwangsl\u00e4ufig in eine Sackgasse f\u00fchre.<\/b>\n\n<\/div>\n&nbsp;\n<div class=\"fo-blog__detail__content__content\">\n<div class=\"fo-row\">\n<div class=\"fo-blog__content-html\">\n\nNun, von welcher Integration sprechen wir und was steckt dahinter? Ich vertrete hier die These, wonach Integration als solche nicht m\u00f6glich ist, da sie eine homogene Gesellschaft voraussetzt. Trotzdem oder gerade deshalb wird Integration als Konzept bis heute dazu verwendet, um rund einen Viertel der Bev\u00f6lkerung von der politischen Mitsprache abzuhalten und dies zu rechtfertigen.\n\nDie g\u00e4ngigen Definitionen von Integration haben eines gemeinsam: Sie setzen ein gr\u00f6sseres Ganzes, eine \u00fcbergeordnete Ganzheit, eine gesellschaftliche und kulturelle Einheit voraus. Kurz, eine gewisse Homogenit\u00e4t, in die man und frau sich zu integrieren haben. \u00c4hnlich wie im Nationalismus, in dem sich eine Gesellschaft \u00fcber vermeintliche Gemeinsamkeiten von den vermeintlich anderen abgrenzt. Europa musste zwei Weltkriege und einen Holocaust durchleben, ehe die Gefahren und die Unm\u00f6glichkeit dieser vermeintlichen Homogenit\u00e4t erkannt wurden, und die EU den Slogan In Vielfalt geeint w\u00e4hlte. Auch der Bund und die Kantone haben diesen Schritt gemacht und betonen, dass die Integration \u201ealle Mitglieder einer Gesellschaft\u201c betreffe und \u201eandauere und nicht abgeschlossen\u201c sei. Und doch kommen im Namen der Integration t\u00e4glich Einb\u00fcrgerungskriterien wie beispielsweise die Zugeh\u00f6rigkeit zu einem Verein oder die Kenntnis von Sitten und Gebr\u00e4uchen zur Anwendung \u2013 \u00a0Kriterien, denen nach wie vor deutlich diese vermeintliche Homogenit\u00e4t zugrunde liegt. Wie kann das sein?\n\n<b>Integration als zweifelhafte Rechtfertigung<\/b>\n\nMeines Erachtens verstecken sich hinter dem Konzept der Integration nicht nur die Vorstellung nationalistischer Homogenit\u00e4t, sondern auch gesellschaftliche Machtverh\u00e4ltnisse. Schliesslich geht es bei Einb\u00fcrgerungen immer auch darum, politische Macht zu teilen. Und wie schwer dies denjenigen f\u00e4llt, die sich in einer Machtposition befinden, zeigt ein Blick auf das Frauenstimmrecht. Genau wie damals aufgrund verschiedenster Rechtfertigungen den Frauen die politische Mitsprache verweigert wurde, wird heute vielen die politische Mitsprache aufgrund \u201emangelnder Integration\u201c verweigert. W\u00e4hrend Frauen vor 1971 \u201ezu wenig von Politik verstanden\u201c, sind heute 25 Prozent der Bev\u00f6lkerung \u201ezu schlecht integriert\u201c. Diese Rechtfertigung im Namen der Integration steht im krassen Gegensatz zum oben erw\u00e4hnten Wandel des Integrationsbegriffs, welcher sich langsam aber sicher von der Homogenit\u00e4t als Grundlage verabschiedet hat. Gerade in der Schweiz, wo die Bev\u00f6lkerung von Migration und Vielfalt gepr\u00e4gt ist, scheint die Vorstellung von einer Integration in eine vermeintliche Homogenit\u00e4t absurder und ungerechtfertigter denn je.\n\n<\/div>\n<\/div>\n<div class=\"fo-row\">\n<div class=\"fo-blog__content-image\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter wp-image-3331 size-full\" src=\"http:\/\/test.foraus.ch\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/B-oZkUkUYAANVgm.jpg\" alt=\"\" width=\"500\" height=\"354\" \/><\/div>\n<\/div>\n<div class=\"fo-row\">\n<div class=\"fo-blog__content-html\">\n<blockquote>Integration als Anpassung? Aber woran denn?<\/blockquote>\n<b>Was kommt nach der Integration?<\/b>\n\nHeute wird der Integrationsbegriff von B\u00fcrgerkommissionen und Gemeindeversammlungen, aber auch im allt\u00e4glichen Diskurs instrumentalisiert und dient ausschliesslich zur Ausgrenzung und Dominanz in einem gesellschaftlichen Machtverh\u00e4ltnis. Um aus dieser Sackgasse wieder herauszufinden, m\u00fcssen sich das Verst\u00e4ndnis und der Diskurs der Integration grundlegend \u00e4ndern. Ein erster Schritt in diese Richtung w\u00e4re, die Integration als Einb\u00fcrgerungskriterium zu verwerfen und sie als gesamtgesellschaftlichen und fortw\u00e4hrenden Prozess in einer heterogenen Gesellschaft zu verstehen. Denn eine moderne Demokratie verlangt Inklusion und Partizipation anstelle von Ausgrenzung und Dominanz. Die Unm\u00f6glichkeit, aber auch der Unwillen, Integration als Assimilation in eine homogene Gesellschaft zu verstehen, werfen somit f\u00fcr den\u00a0<a href=\"http:\/\/www.zgw.ethz.ch\/fileadmin\/ZGW\/veranstaltungen\/2015\/ZGW_WissenInGesellschaft1_Faltflyer_Postmig.pdf\" rel=\"nofollow noopener\">kommenden 25. M\u00e4rz<\/a>\u00a0folgende Frage auf: Was kommt nach der heutigen, instrumentalisierten Form von Integration?\n\n<i><b>Empfohlene Artikel \/ Recommendations<\/b><\/i>\n\n<a title=\"Link: http:\/\/34.65.158.36\/2014\/11\/27\/eco-popper-die-oekologische-gesellschaft-und-ihre-feinde\/\" href=\"http:\/\/34.65.158.36\/2014\/11\/27\/eco-popper-die-oekologische-gesellschaft-und-ihre-feinde\/\" target=\"_self\" rel=\"nofollow\">Eco-Popper: Die \u00f6kologische Gesellschaft und ihre Feinde<\/a>\n\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"featured_media":68605,"template":"","meta":{"_acf_changed":false},"archive-status":[],"region":[],"custom-themes":[1820],"class_list":["post-79856","blog-post","type-blog-post","status-publish","has-post-thumbnail","hentry","custom-themes-migration"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/foraus.ch\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/blog-post\/79856","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/foraus.ch\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/blog-post"}],"about":[{"href":"https:\/\/foraus.ch\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/types\/blog-post"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/foraus.ch\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/media\/68605"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/foraus.ch\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=79856"}],"wp:term":[{"taxonomy":"archive-status","embeddable":true,"href":"https:\/\/foraus.ch\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/archive-status?post=79856"},{"taxonomy":"region","embeddable":true,"href":"https:\/\/foraus.ch\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/region?post=79856"},{"taxonomy":"custom-themes","embeddable":true,"href":"https:\/\/foraus.ch\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/custom-themes?post=79856"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}