{"id":79881,"date":"2014-04-02T00:00:00","date_gmt":"2014-04-01T22:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/foraus.ch\/blog-post\/mit-risiken-und-nebenwirkungen-der-rettungsplan-fuer-die-ukraine\/"},"modified":"2026-05-27T11:21:09","modified_gmt":"2026-05-27T09:21:09","slug":"mit-risiken-und-nebenwirkungen-der-rettungsplan-fuer-die-ukraine","status":"publish","type":"blog-post","link":"https:\/\/foraus.ch\/fr\/blog-post\/mit-risiken-und-nebenwirkungen-der-rettungsplan-fuer-die-ukraine\/","title":{"rendered":"Mit Risiken und Nebenwirkungen: Der Rettungsplan f\u00fcr die Ukraine"},"content":{"rendered":"\n<div class=\"fo-blog__detail__content__excerpt\">\n\n<b>Solange die Menschen in der Ukraine eine Perspektive haben, werden sie sich kaum auf abenteuerliche Abspaltungsversuche einlassen. Doch dem Land steht eine wirtschaftliche Rosskur bevor: Die Rezepte der westlichen Geldgeber; die Bedingungen des W\u00e4hrungsfonds \u2013 sie werden die falschen Leute in die Armut st\u00fcrzen.<\/b>\n\n<\/div>\n&nbsp;\n<div class=\"fo-blog__detail__content__content\">\n<div class=\"fo-row\">\n<div class=\"fo-blog__content-html\">\n\nDie EU und die USA haben der Ukraine ein Hilfspaket von rund 21 Milliarden Euro versprochen. Der gr\u00f6sste Teil dieses Geldes ist an die Bedingung gekn\u00fcpft, dass sich die Ukraine mit dem Internationalen W\u00e4hrungsfonds (IWF) einigt. Dieser will nun selbst 10-13 Milliarden Euro Wirtschaftshilfe leisten. Das\u00a0<a href=\"http:\/\/www.imf.org\/external\/np\/sec\/pr\/2014\/pr14116.htm\" rel=\"nofollow noopener\">vorgesehene Reformpaket<\/a>\u00a0soll die Ukraine \u201eauf den Weg wirtschaftlicher Reformen bringen, f\u00fcr gute Regierungsf\u00fchrung sorgen, nachhaltiges Wachstum f\u00f6rdern und gleichzeitig die armen und gef\u00e4hrdeten Bev\u00f6lkerungsteile sch\u00fctzen.\u201c\n\n<b>Der IWF sch\u00fctzt die Falschen<\/b>\n\nDie Armen zu sch\u00fctzen\u2026, gerade dieser Vorsatz k\u00f6nnte sich als leeres Versprechen erweisen \u2013 oder gar das Gegenteil bewirken: Viele Ukrainer k\u00f6nnten bald deutlich \u00e4rmer werden. Denn der IWF fordert die Abwertung der ukrainischen W\u00e4hrung Hryvna. Mit der Abwertung der Landesw\u00e4hrung schrumpfen auch Erspartes, L\u00f6hne und Renten. Es sind die Kleinsparer, die dadurch die gr\u00f6ssten Verluste haben werden. Denn wer es sich leisten kann legt sein Erspartes in Fremdw\u00e4hrung und oft auch im Ausland an.\n\nEine weitere IWF-Bedingung sind Rentenk\u00fcrzungen. Bereits 2011 wurde auf Druck des IWF eine sukzessive Erh\u00f6hung des Rentenalters, von 55 auf 60 Jahre f\u00fcr Frauen, und von 60 auf 62 Jahre f\u00fcr M\u00e4nner beschlossen. Durch die Kombination aus einem immer noch tiefen Rentenalter und einer \u00fcberalterten Gesellschaft, sind rund 30 Prozent der Bev\u00f6lkerung Rentenbez\u00fcger. (In der Schweiz sind es nur ca.\u00a0<a href=\"https:\/\/www.cia.gov\/library\/publications\/the-world-factbook\/geos\/up.html\" rel=\"nofollow noopener\">17%<\/a>). Damit sind Rentnerinnen und Rentner eine sehr wichtige und auch eine konservative W\u00e4hlergruppe.\n\n<\/div>\n<\/div>\n<div class=\"fo-row\">\n<div class=\"fo-blog__content-image\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter wp-image-3450 size-full\" src=\"http:\/\/test.foraus.ch\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/Mariupol_2007_124.jpg\" alt=\"\" width=\"800\" height=\"600\" \/><\/div>\n<\/div>\n<div class=\"fo-row\">\n<div class=\"fo-blog__content-html\">\n\n<i>Der Gaspreis wirkt sich auch direkt auf die Schwerindustrie im Osten und im S\u00fcden der Ukraine aus: Das Azovstal Werk in Mariupol.<\/i>\n\n<\/div>\n<\/div>\n<div class=\"fo-row\">\n<div class=\"fo-blog__content-html\">\n\n<b>Gaspreiserh\u00f6hung mit drastischen Auswirkungen<\/b>\n\nDie deutlichste Auswirkungen d\u00fcrfte aber die Erh\u00f6hung des Gaspreises haben. Die Ukraine verwendet 7 Prozent ihres BIP auf\u00a0<a href=\"http:\/\/www.businessweek.com\/articles\/2014-03-13\/why-fuel-subsidies-in-developing-nations-are-an-economic-addiction\" rel=\"nofollow noopener\">Gassubventionen f\u00fcr Endverbraucher<\/a>. Die Kosten f\u00fcr Heizung und Elektrizit\u00e4t sind f\u00fcr einen durchschnittlichen ukrainischen Haushalt in der Regel der gr\u00f6sste Ausgabenposten. Nun steht ein Anstieg des Gaspreises um 50 Prozent bevor, denn der IWF verlangt, dass die Subventionen deutlich gek\u00fcrzt werden. Dies wird in vielen Haushalten dazu f\u00fchren, dass ein Monatslohn gerade noch reicht um die Heizkosten zu decken. Der Gaspreis wirkt sich auch direkt auf die Schwerindustrie im Osten und im S\u00fcden der Ukraine aus: F\u00fcr diese Industrien, die etwa viermal so viel Energie verbrauchen wie ihre westliche Konkurrenz, hat die ukrainische Regierung letztes Jahr fast die H\u00e4lfte der Gaskosten \u00fcbernommen. H\u00f6here Energieausgaben werden hier schnell zu Massenentlassungen f\u00fchren.\n\nEs sind nun also Rentner, Kleinsparer und Industriearbeiter, welche eine von korrupten Beamten und Oligarchen eingebrockte Wirtschaftskrise auf die Schnelle ausbaden sollen. Das liegt auch am Verhalten westlicher Politiker. Diese denken an ihre Wiederwahl und wollen ihren W\u00e4hlern kein langwieriges, teures und daf\u00fcr solides Rettungsprogramm zumuten, eines das die Ukrainische Wirtschaft erst mittel- oder langfristig von russischen Energietr\u00e4gern unabh\u00e4ngig macht. Noch weniger sind sie bereit das Problem an der Wurzel anzupacken und konsequente Sanktionen gegen korrupte Politiker in der Ukraine und Russland einzuleiten. Auch das w\u00e4re kostspielig, f\u00fcr den Finanzsektor und die Exportwirtschaft besonders. Das nun begonnene Rettungsprogramm trifft aber gerade jene Leute am h\u00e4rtesten, die ohnehin empf\u00e4nglich sind f\u00fcr separatistische Ideen. Viele ukrainische Rentner erinnern sich wehm\u00fctig an die wohlgeordnete Zeit, als sie noch von Moskau aus regiert wurden. Nicht wenige sehen in Putin einen Garanten von Recht, Ordnung und stabilen Renten. Die meisten Industriearbeiter leben in grossen, russischsprachigen St\u00e4dten im Osten und im S\u00fcden der Ukraine. Sie identifizieren sich stark mit ihrer Region und ihrem Betrieb, st\u00e4rker als mit der Ukraine als Land. F\u00fcr die meisten von ihnen ist das Funktionieren ihrer Fabrik wichtiger als eine unabh\u00e4ngige Ukraine. Wenn diesen Bev\u00f6lkerungsgruppen nun Arbeitslosigkeit und Armut droht, k\u00f6nnten sie bald die separatistische Bewegung verst\u00e4rken.\n\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"featured_media":68606,"template":"","meta":{"_acf_changed":false},"archive-status":[],"region":[],"custom-themes":[1817],"class_list":["post-79881","blog-post","type-blog-post","status-publish","has-post-thumbnail","hentry","custom-themes-frieden-sicherheit"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/foraus.ch\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/blog-post\/79881","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/foraus.ch\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/blog-post"}],"about":[{"href":"https:\/\/foraus.ch\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/types\/blog-post"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/foraus.ch\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/media\/68606"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/foraus.ch\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=79881"}],"wp:term":[{"taxonomy":"archive-status","embeddable":true,"href":"https:\/\/foraus.ch\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/archive-status?post=79881"},{"taxonomy":"region","embeddable":true,"href":"https:\/\/foraus.ch\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/region?post=79881"},{"taxonomy":"custom-themes","embeddable":true,"href":"https:\/\/foraus.ch\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/custom-themes?post=79881"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}