{"id":79909,"date":"2013-12-10T00:00:00","date_gmt":"2013-12-09T23:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/foraus.ch\/blog-post\/theorie-und-praxis-politische-gewalt-in-griechenland\/"},"modified":"2026-05-27T11:21:14","modified_gmt":"2026-05-27T09:21:14","slug":"theorie-und-praxis-politische-gewalt-in-griechenland","status":"publish","type":"blog-post","link":"https:\/\/foraus.ch\/fr\/blog-post\/theorie-und-praxis-politische-gewalt-in-griechenland\/","title":{"rendered":"Theorie und Praxis: Politische Gewalt in Griechenland"},"content":{"rendered":"\n<div class=\"fo-blog__detail__content__excerpt\">\n\n<strong>Die Regierung Samaras warnt mit ihrer \u201eTheorie der zwei Extreme\u201c vor den erstarkenden Oppositionsparteien und versucht sich als einzige politische Option zu positionieren. Doch die politischen Differenzen haben sich schon l\u00e4ngst auf die Strasse ausgeweitet.<\/strong>\n\n<\/div>\n&nbsp;\n<div class=\"fo-blog__detail__content__content\">\n<div class=\"fo-row\">\n<div class=\"fo-blog__content-html\">\n\nNachdem im September ein linker Musiker und Aktivist von einem Anh\u00e4nger der rechtsradikalen Chryssi Avgi-Partei erstochen wurde, beschloss die Regierung gegen die Partei vorzugehen. Die Anklage lautet auf Bildung einer kriminellen Organisation. Seitdem sitzen neben dem Parteichef noch zwei weitere hochrangige Mitglieder in Untersuchungshaft, der Prozessbeginn wurde noch nicht angek\u00fcndigt. Der Mord ist der tragische H\u00f6hepunkt einer langen Reihe von Gewalttaten, die sich haupts\u00e4chlich gegen Migranten, Linke und Gewerkschafter richteten und auch international Aufsehen erregten.\n\nDie Reaktion von linker Seite liess nicht lange auf sich warten: Einen Monat sp\u00e4ter wurden vor einem Lokalb\u00fcro der Partei zwei Chryssi Avgi-Mitglieder erschossen, ein weiterer lebensgef\u00e4hrlich verletzt. Die Verantwortung des Vergeltungsschlags \u00fcbernahm eine neu in Erscheinung getretene Organisation namens \u201e<a title=\"Link: http:\/\/www.tageswoche.ch\/+bipzx\" href=\"http:\/\/www.tageswoche.ch\/+bipzx\" rel=\"nofollow noopener\">K\u00e4mpfende Revolution\u00e4re Volkskr\u00e4fte<\/a>\u201c, die weitere Aktionen gegen\u00fcber Rechtsradikalen und ihren Unterst\u00fctzern androhte.\n\nPolitische Gewalt dieser Art ist in Griechenland kein neues Ph\u00e4nomen. Doch nach der der Zerschlagung der<em>Organisation 17. November<\/em>\u00a0vor zehn Jahren gab es nur noch vereinzelte Aktionen kleineren Ausmasses. Es hatte sogar den Anschein, der latente links-rechts-Antagonismus werde endlich nicht mehr mittels Gewalt ausgetragen. Die Ereignisse der letzten Monate haben Bef\u00fcrchtungen angefacht, dass sich dies wieder \u00e4ndern k\u00f6nnte.\n\n<strong>Theoretische und reale Extreme<\/strong>\n\nDie parteipolitische Landschaft hat sich seit Beginn der Krise stark gewandelt: Im Parlament sitzen mittlerweile Parteien, die bis vor ein paar Jahren noch gar nicht existierten, wie die rechtspopulistische Anel und die linke Dimar, oder nie den Sprung ins Parlament schafften, wie die Chryssi Avgi. Der einzige eindeutige Programmpunkt dieser Parteien besteht h\u00e4ufig aus der Opposition gegen\u00fcber der Regierung und der Troika mit ihrer umstrittenen Krisenstrategie.\n\nSyriza ist seit dem j\u00e4hen Absturz der fr\u00fchen dominanten Pasok zum Sammelbecken der linken Kr\u00e4fte geworden und zum st\u00e4rksten Konkurrenten der Regierung avanciert. Ihre Opposition zum Sparkurs der Regierung geniesst zwar viel R\u00fcckhalt in der Bev\u00f6lkerung. Die Partei hat aber noch keine haltbaren Alternativen zur Bew\u00e4ltigung der Krise pr\u00e4sentieren k\u00f6nnen und verheddert sich allm\u00e4hlich in einem linkspopulistischen Kurs. Selbst unter W\u00e4hlern von Syriza bestehen deshalb Zweifel, ob die Partei \u00fcberhaupt bereit und f\u00e4hig ist das Land zu regieren. Leider war Syriza aufgrund interner Streitigkeiten bisher nicht in der Lage, ein koh\u00e4rentes politisches Profil zu entwickeln und gilt f\u00fcr Teile der Bev\u00f6lkerung deshalb als unw\u00e4hlbar. Ihre oft berechtigte Systemkritik ger\u00e4t zuweilen unter die R\u00e4der ihrer Polemik und ihrer gnadenlosen Oppositionshaltung.\n\nDie rechtsradikale Chryssi Avgi andererseits macht sich gar nicht erst die M\u00fche ein gesamtheitliches Programm auf die Beine zu stellen. Mit ihrer Anti-Establishment-Attit\u00fcde und ihrem brachialen Auftreten gegen\u00fcber der als korrupt empfundenen Politikerkaste spricht sie auch W\u00e4hler an, die mit ihrer rechtsextremen Rhetorik sonst nicht viel anzufangen wissen. Die Regierung ist bis zum Mord am Musiker auch deshalb eher umsichtig mit der Partei umgegangen, weil sie viele ehemalige W\u00e4hler wieder zur\u00fcck ins konservative Lager zu holen hoffte. Dieser Plan scheint allerdings nicht aufzugehen, wie die neuesten Umfragewerte aufzeigen. Sollte die Partei zulegen k\u00f6nnen, w\u00fcrde sich das zu einem echten Problem entwickeln, denn eine auch nur andeutungsweise ernstzunehmende Politik ist von ihnen nicht zu erwarten.\n\nNun versucht die konservative Regierung von Antonis Samaras sich als einzige vern\u00fcnftige politische Option zu pr\u00e4sentieren. Ihre Theorie zielt haupts\u00e4chlich auf Syriza und Chryssi Avgi, die momentan gem\u00e4ss Meinungsumfragen zweit- beziehungsweise drittgr\u00f6sste Kraft im Land sind. Einzig die konservative Nea Dimokratia k\u00f6nne ein Verbleiben Griechenlands in der Eurozone und in der EU garantieren, w\u00e4hrend die Oppositionsparteien das Land zwangsl\u00e4ufig ins wirtschaftliche Chaos und in einer gewaltsamen politischen Auseinandersetzung st\u00fcrzen w\u00fcrden.\n\n<strong>Politischer Abgrund vs. schwache Erholungsaussichten<\/strong>\n\nUnd so schlittert Griechenland weiter entlang des politischen Abgrunds, mit einer Regierung die \u00fcber eine knappe Parlamentsmehrheit verf\u00fcgt, \u00e4usserst unbeliebte Sparmassnahmen gegen politischen und gesellschaftlichen Widerstand durchboxt und sich gleichzeitig als Retter in der Not zu pr\u00e4sentieren versucht. Es ist ihr zu verdanken, dass sie mithilfe der EU einen wirtschaftlichen Totalabsturz abwenden konnte, die positiven Entwicklungen fallen bisher allerdings eher d\u00fcrftig aus.\n\nMit Durchhalteparolen versucht die Regierung die Bev\u00f6lkerung bei Stange zu halten und warnt vor gravierenden Konsequenzen bei einer Abkehr vom eingeschlagenen Kurs, der n\u00e4chstes Jahr zum ersten Mal nach sechs Jahren Rezession wieder ein positives Wirtschaftswachstum erzeugen soll. Die Geduld vieler B\u00fcrger ist allerdings arg strapaziert. Der aggressive Ton auf rechter wie linker Seite hat zugenommen und selbst die j\u00fcngsten Morde haben keine Milderung im politischen Diskurs erzielt. Sollte sich die wirtschaftliche Situation nicht bald bessern, wird man sich in Griechenland nicht mehr mit theoretischen, sondern mit zus\u00e4tzlichen, durchaus realen Problemen abgeben m\u00fcssen.\n\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"featured_media":68606,"template":"","meta":{"_acf_changed":false},"archive-status":[],"region":[1849],"custom-themes":[],"class_list":["post-79909","blog-post","type-blog-post","status-publish","has-post-thumbnail","hentry","region-europa"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/foraus.ch\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/blog-post\/79909","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/foraus.ch\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/blog-post"}],"about":[{"href":"https:\/\/foraus.ch\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/types\/blog-post"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/foraus.ch\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/media\/68606"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/foraus.ch\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=79909"}],"wp:term":[{"taxonomy":"archive-status","embeddable":true,"href":"https:\/\/foraus.ch\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/archive-status?post=79909"},{"taxonomy":"region","embeddable":true,"href":"https:\/\/foraus.ch\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/region?post=79909"},{"taxonomy":"custom-themes","embeddable":true,"href":"https:\/\/foraus.ch\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/custom-themes?post=79909"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}