{"id":79918,"date":"2013-10-16T00:00:00","date_gmt":"2013-10-15T22:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/foraus.ch\/blog-post\/scheuklappen-und-symbolik-wie-die-schweiz-mit-dem-fremden-umgeht\/"},"modified":"2026-05-27T11:21:15","modified_gmt":"2026-05-27T09:21:15","slug":"scheuklappen-und-symbolik-wie-die-schweiz-mit-dem-fremden-umgeht","status":"publish","type":"blog-post","link":"https:\/\/foraus.ch\/fr\/blog-post\/scheuklappen-und-symbolik-wie-die-schweiz-mit-dem-fremden-umgeht\/","title":{"rendered":"Scheuklappen und Symbolik: Wie die Schweiz mit dem Fremden umgeht"},"content":{"rendered":"\n<div class=\"fo-blog__detail__content__excerpt\">\n\n<em>Von Dominik Elser<\/em>\u00a0\u2013\u00a0<strong>Schweizer Politik und Gesellschaft verschliessen sich vor \u00e4usseren Einfl\u00fcssen und meinen, nur so sei Sicherheit und Wohlstand im Innern zu erreichen. Wohin diese Annahme f\u00fchrt, zeigen die Integrationsdebatte, die Versch\u00e4rfung des Strafrechts und der US-Steuerstreit.<\/strong>\n\n<\/div>\n<!--more-->\n<div class=\"fo-blog__detail__content__content\">\n<div class=\"fo-row\">\n<div class=\"fo-blog__content-html\">\n\nDer Schweiz geht Entspanntheit und Weitsicht ab, wenn es um Vertrautes und Fremdes geht. Allzu schnell wird mit dem Finger auf das Fremde gezeigt und gebr\u00fcllt: \u00ab\u00a0Schau mal, wie anders die andern sind\u00a0\u00bb. Ein erstes Anschauungsbeispiel ist die Integrationsdebatte.\n\n<strong>Fehlender Integrationswille \u2013 auf Seite der Schweiz<\/strong>\n\nDas Konzept Integration ist schon begrifflich schwierig: Es geht von einem Teil aus, der sich in ein Ganzes eingliedern soll. Was heisst nun eingliedern? Der Bund spricht von\u00a0Teilhabe am \u00ab\u00a0wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Leben der Gesellschaft\u00a0\u00bb. Doch wie diese Gesellschaft auch immer gefasst wird \u2013 st\u00e4ndige Wohnbev\u00f6lkerung, abgestammte Ureidgenossen, Stimmberechtigten oder erwerbst\u00e4tige Bev\u00f6lkerung \u2013 sie ist kein homogenes Ganzes mit einheitlichen Eigenschaften, die man dem Teil vorgeben k\u00f6nnte.\n\nEinwanderungsgegner argumentieren gerne mit Schweizer Werten. Die grundlegendsten Werte finden wir am ehesten in der Verfassung. Sie beginnt, ja, mit einer Anrufung Gottes. Gleich danach kommt die Verantwortung gegen\u00fcber der Sch\u00f6pfung, Freiheit und Demokratie, Unabh\u00e4ngigkeit und Frieden in Solidarit\u00e4t und Offenheit gegen\u00fcber der Welt, gegenseitige R\u00fccksichtnahme und Achtung der Vielfalt in der Einheit, gemeinsame Errungenschaften, Verantwortung gegen\u00fcber k\u00fcnftigen Generationen, und die Bindung der St\u00e4rke des Volkes an das Wohl der Schwachen. Trotz Gottesanrufung ist von christlichen Werten keine Rede. Und dass ein Schweizer Schweizerdeutsch sprechen, gut jassen und Wilhelm Tell verehren soll, steht dort auch nicht.\n\nVon Migranten zu erwarten, sie m\u00fcssen in irgendeiner Weise schweizerisch sein, kommt einer Lebensformkontrolle gleich. Dass die anderen nur hier leben und arbeiten wollen, geht schnell verloren, wenn man nur darauf schaut, wie sehr anders sie sind.\n\n<strong>\u00ab\u00a0H\u00e4rter bestrafen\u00a0\u00bb klingt gut \u2013 weil wir nicht die anderen sind<\/strong>\n\nDer verkrampfe Umgang mit Fremden f\u00fchrte zuletzt auch im Strafrecht zu politischen \u00dcberreaktionen. Das Parlament versch\u00e4rft die erst 2007 reformierten Sanktionen, um ein Zeichen gegen Kuscheljustiz zu setzen und das\u00a0\u00ab\u00a0Vertrauen ins Strafrecht wieder herzustellen\u00a0\u00bb.\n\nHart durchgreifen ist einfach: Man hat ein Bild von den b\u00f6sen Buben, die kriminell sind \u2013 und die sind so ganz anders als wir Anst\u00e4ndigen. Also k\u00f6nnen wir die B\u00f6sen doch einsperren, den Schl\u00fcssel wegwerfen, und wenn die Strafe abgesessen ist, verwahren wir sie gleich noch, damit wir die anderen dauerhaft von uns fernhalten.\n\nIn einem Rechtsstaat geht diese Ansicht fehl. Es braucht hier nicht mal ein philosophisches Menschenbild, das Recht gibt die Antwort: Straft\u00e4ter haben gegen Rechtsnormen verstossen. Sie sind nicht andersgeartete Menschen, die bestimmte Merkmale aufweisen. Das Strafrecht hat mit Taten zu tun und es muss das Umfeld angehen, in dem sie geschehen. T\u00e4ter(gruppen) auszugrenzen, ist kein Weg zu mehr Sicherheit.\n\n<strong>Internationaler Druck \u2013 von Monstern und Verhandlungen<\/strong>\n\nDie Abgrenzung im Innern \u2013 anst\u00e4ndige Schweizer Gesellschaft versus das Fremde \u2013 f\u00fchrt zu einer aussenpolitischen Abwehrhaltung. Dies zeigte sich unl\u00e4ngst wieder im US-Steuerstreit. Das US-amerikanische\u00a0Steuereintreibungsgesetz FATCA als \u00ab\u00a0US-Monstergesetz\u00a0\u00bb zu bezeichnen, bringt wenig. Die Schweiz reagiert auf internationale Forderungen hysterisch und polternd. Diese Reaktion fusst auf einem Minderwertigkeitskomplex (Warum sind wir nur so klein und die anderen trampeln auf uns rum?) und in der Unf\u00e4higkeit, eigene Interessen klar zu formulieren und daf\u00fcr einzustehen.\n\nL\u00e4nder haben Interessen, die sie durchsetzen, so gut sie k\u00f6nnen. Gr\u00f6ssere L\u00e4nder haben gr\u00f6ssere Durchsetzungskraft, soviel sollte einleuchten. Der Steuerstreit ist ein prima Beispiel daf\u00fcr: Wir sind an einem starken Schweizer Finanzplatz interessiert, weil er wichtig f\u00fcr unsere Volkswirtschaft ist. Festklammern am Bankgesch\u00e4ft von fr\u00fcher, Querstellen bei Amtshilfe oder Pochen auf unser Recht sind keine Interessen \u2013 es sind Haltungen und Ablenkungen. Im internationalen Wirtschafts- und Politikbetrieb ist alles Verhandlungssache, darauf muss man sich einstellen. Jede Seite will ihre Interessen durchsetzen, das ist kein Affront.\n\nOb im Umgang mit anderen Staaten, mit Ausl\u00e4ndern oder mit Rechtsbrechern \u2013Ausgrenzung bringt niemanden weiter. Die verschiedenen Interessen kollidieren weniger, wenn auf tats\u00e4chliche Entwicklungen offen und vorurteilslos eingegangen wird.\n\n<em>Der foraus-Blog ist ein Forum, das sowohl den foraus-Mitgliedern als auch Gastautoren\/innen zur Verf\u00fcgung gestellt wird. Die hier ver\u00f6ffentlichten Beitr\u00e4ge sind pers\u00f6nliche Stellungsnahmen der Autoren\/innen. Sie entsprechen nicht zwingend der Meinung der Redaktion oder des Vereins foraus.<\/em>\n\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"featured_media":0,"template":"","meta":{"_acf_changed":false},"archive-status":[],"region":[],"custom-themes":[1820],"class_list":["post-79918","blog-post","type-blog-post","status-publish","hentry","custom-themes-migration"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/foraus.ch\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/blog-post\/79918","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/foraus.ch\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/blog-post"}],"about":[{"href":"https:\/\/foraus.ch\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/types\/blog-post"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/foraus.ch\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=79918"}],"wp:term":[{"taxonomy":"archive-status","embeddable":true,"href":"https:\/\/foraus.ch\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/archive-status?post=79918"},{"taxonomy":"region","embeddable":true,"href":"https:\/\/foraus.ch\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/region?post=79918"},{"taxonomy":"custom-themes","embeddable":true,"href":"https:\/\/foraus.ch\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/custom-themes?post=79918"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}