{"id":79922,"date":"2013-10-04T00:00:00","date_gmt":"2013-10-03T22:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/foraus.ch\/blog-post\/wasser-mal-nachhaltig-wie-die-entwicklungsziele-dem-namen-gerecht-werden-sollen\/"},"modified":"2026-05-27T11:21:15","modified_gmt":"2026-05-27T09:21:15","slug":"wasser-mal-nachhaltig-wie-die-entwicklungsziele-dem-namen-gerecht-werden-sollen","status":"publish","type":"blog-post","link":"https:\/\/foraus.ch\/fr\/blog-post\/wasser-mal-nachhaltig-wie-die-entwicklungsziele-dem-namen-gerecht-werden-sollen\/","title":{"rendered":"WASSER MAL \u201cNACHHALTIG\u201d: WIE DIE ENTWICKLUNGSZIELE DEM NAMEN GERECHT WERDEN SOLLEN"},"content":{"rendered":"\n<div class=\"fo-blog__detail__content__excerpt\"><em>Von Michael Pletscher<\/em>\u00a0<em>&#8211;<\/em>\u00a0<strong>Die Millennium Development Goals der Uno sollten den Zugang zu Trinkwasser verbessern. Doch die Entwicklungsprojekte waren l\u00e4ngerfristig zum Scheitern verurteilt. Das soll sich mit der Post-15-Agenda \u00e4ndern \u2013 hoffentlich.<\/strong><\/div>\n<!--more-->\n<div class=\"fo-blog__detail__content__content\">\n<div class=\"fo-row\">\n<div class=\"fo-blog__content-html\">\n\n<em>Dieser Beitrag und Teil einer Blog-Reihe zu den Sustainable Development Goals (SDG).\u00a0<\/em><em>Diese Blog-Reihe reflektiert bis Mitte Oktober verschiedene Aspekte dieser zuk\u00fcnftigen Entwicklungsagenda.<\/em>\n\nF\u00fcr die UNO ist klar: der verbesserte Zugang zu Trinkwasser ist einer der grossen Erfolge der Millennium Development Goals (MDGs). Der Staatenbund hatte sich zum Ziel gesetzt \u201ebis 2015 die Anzahl Personen ohne nachhaltigen Zugang zu sicherem Trinkwasser zu halbieren\u201c. Im Jahresbericht 2013 wird festgehalten, dass in den letzten 21 Jahren 2.1 Milliarden Menschen weltweit verbesserten Zugang zu sauberem Trinkwasser erhalten haben. Man br\u00fcstet sich damit, dieses Teilziel bereits 2010, also f\u00fcnf Jahre vor Ablauf der Frist, erreicht zu haben. Doch das Eigenlob kommt verfr\u00fcht.\n\n<strong>Eine zweifelhafte Erfolgsgeschichte<\/strong>\n\nVon Nachhaltigkeit kann aber in vielen Wasser-Entwicklungsprojekten keine Rede sein. Studien des Rural Water Supply Network (RWSN) und von WatSan Consulting haben gezeigt: die durchschnittliche Lebensdauer eines Wasserprojekts in einem Entwicklungsland betr\u00e4gt ungef\u00e4hr zwei bis drei Jahre. Danach bricht ein Projekt oftmals aufgrund fehlender Wartung und Betreuung zusammen.\n\n<img decoding=\"async\" title=\"Image: http:\/\/www.forausblog.ch\/wp-content\/uploads\/Blog_Pletscher_Bild1.jpg\" src=\"http:\/\/www.forausblog.ch\/wp-content\/uploads\/Blog_Pletscher_Bild1.jpg\" alt=\"\" \/>\n\n<em>Diese Grafik zeigt die kurzfristige und ineffiziente Wirkungsweise von Wasserentwicklungsprojekten auf. Alle paar Jahre bricht ein Wasserprojekt zusammen (d\u00fcnne Linien), bevor wieder ein Neues gestartet wird. Die Gesamtkosten steigen, die Personen mit konstanter Wasserversorgung bleiben jedoch immer etwa gleich niedrig. (Quelle: Fontes Foundation)<\/em>\n\nW\u00e4hrend meines Praktikums f\u00fcr Fontes Foundation Uganda habe ich in Westuganda solche Fehlschl\u00e4ge des \u00d6fteren gesehen. In den D\u00f6rfern trifft man immer wieder auf stillgelegte Brunnen und abgebrochene Handpumpen. Grossz\u00fcgige Geldsummen wurden f\u00fcr den Bau der Pumpen und Brunnen aufgewendet \u2013 \u00a0danach aber stand kein Geld mehr f\u00fcr die Instandhaltung der Systeme zur Verf\u00fcgung, Ersatzteile konnten nicht gekauft werden. Das Projekt brach zusammen, die gescheiterte Entwicklungs-Organisation zog sich zur\u00fcck und einige Zeit sp\u00e4ter sprang eine neue Organisation in die L\u00fccke, um eine eigene Trinkwasser-L\u00f6sung zu installieren. Erfahrene Entwicklungsexperten best\u00e4tigten mir, dass es einfacher sei, 10\u2018000 Franken f\u00fcr eine neues Wasserprojekt zu beschaffen als 1\u2018000 Franken f\u00fcr die Instandhaltungskosten von bestehenden Systemen. Ein neues Projekt l\u00e4sst sich bei den G\u00f6nnern besser vermarkten.\n\n<strong>Die Sustainable Development Goals \u2013 Eine Chance?<\/strong>\n\n\u201eNachhaltigkeit\u201c: Ein Wort, welches es nun bei den SDG gilt, in die Tat umzusetzen<strong>.\u00a0<\/strong>Bei den MDGs wurden sehr ehrgeizige Zielwerte festgelegt, wie die weltweite Halbierung der Anzahl Menschen ohne nachhaltigem Zugang zu Trinkwasser bis 2015. Ein Ziel, welches falsche Anreize setzte und zu einer kurzfristigen Entwicklungszusammenarbeit f\u00fchrte, welche in der Praxis mehrheitlich als gescheitert betrachtet werden kann. Die erstmalige Versorgung von m\u00f6glichst vielen zus\u00e4tzlichen Menschen mit Trinkwasser ging auf Kosten der Nachhaltigkeit dieser Wassersysteme: Auf dem Papier vermerkt die UNO eine weltweit zunehmende Wasserversorgung, in der realen Welt jedoch bleibt die Anzahl Menschen mit konstanter Wasserversorgung etwa gleich niedrig.\n\n<img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.forausblog.ch\/wp-content\/uploads\/Blog_Pletscher_Bild2.jpg\" alt=\"\" \/>\n\n<em>Ein Anblick, der nicht selbstverst\u00e4ndlich ist: Einheimische beziehen Wasser an einer \u00f6ffentlichen Wasser-Station im ugandischen Fischerdorf Katunguru-Kasese. Im Vergleich zu diesem gut funktionierenden Projekt der Entwicklungs-NGO Fontes Foundation brechen viele andere nach 2-3 Jahren wieder zusammen. (Quelle: Michael Pletscher)<\/em>\n\nSustainable Development Goals \u2013 der Name sollte Programm sein: Qualit\u00e4t vor Quantit\u00e4t und Nachhaltigkeit anstelle schnellen \u201eErfolgen\u201c. Anstatt die Anzahl Menschen ohne Trinkwasserzugang um 50 Prozent zu reduzieren, w\u00fcrde man die Zahl besser niedriger ansetzen (zum Beispiel bei 20 %), dies daf\u00fcr auf eine langfristige und auch wirklich funktionierende Weise. Das so gesparte Geld f\u00fcr neue Projekte sollte dann jedoch in den Aufbau von lokalen Kompetenzen investiert werden. Auf lange Frist gesehen sollte unbedingt die komplette Unabh\u00e4ngigkeit der installierten Projekte von der ausl\u00e4ndischen NGO angestrebt werden, auf kurze beziehungsweise mittlere Frist ist dies jedoch kaum m\u00f6glich. Wie meine Arbeit in Uganda gezeigt hat, ist der Aufbau der Kompetenzen f\u00fcr die Selbstverwaltung ein Prozess, der viel Zeit in Anspruch nimmt.\n\nNebst dem reinen Zugang zu Trinkwasser bedeutet Nachhaltigkeit aber auch, dass mit der Ressource Wasser schonender umgegangen werden muss. Deshalb sollte ein SDG im Bereich Wasser auch Teilziele bez\u00fcglich Abwasser-, Wasserqualit\u00e4ts- und Wasserressourcenmanagement beinhalten. Auch hier gilt es, realistisch zu bleiben und nicht mit allumfassenden und zu ehrgeizigen Zielen den Rahmen des in der Praxis M\u00f6glichen zu sprengen. Der schonende Umgang mit Wasser hat dabei f\u00fcr die Schweiz genauso zu gelten wie f\u00fcr Subsahara-Afrika L\u00e4nder wie Uganda oder Tansania. Den Verfassern der SDGs \u2013 also die internationale Gemeinschaft und somit auch die Schweiz \u2013 \u00a0kommt hier eine grosse Verantwortung zu.\n\n<strong><em>Michael Pletscher<\/em><\/strong><em>\u00a0(25) ist Mitglied der Foraus Regio-Gruppe St. Gallen, absolviert einen Master in Internationale Beziehungen und Staatsf\u00fchrung an der Universit\u00e4t St. Gallen und war w\u00e4hrend sechs Monaten in einer Entwicklungs-NGO in Uganda t\u00e4tig.<\/em>\n\n<em>Der foraus-Blog ist ein Forum, das sowohl den foraus-Mitgliedern als auch Gastautoren\/innen zur Verf\u00fcgung gestellt wird. Die hier ver\u00f6ffentlichten Beitr\u00e4ge sind pers\u00f6nliche Stellungnahmen der Autoren\/innen Sie entsprechen nicht zwingend der Meinung der Redaktion oder des Vereins foraus<\/em>.\n\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"featured_media":0,"template":"","meta":{"_acf_changed":false},"archive-status":[],"region":[],"custom-themes":[1953],"class_list":["post-79922","blog-post","type-blog-post","status-publish","hentry","custom-themes-internationale-zusammenarbeit-entwicklung"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/foraus.ch\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/blog-post\/79922","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/foraus.ch\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/blog-post"}],"about":[{"href":"https:\/\/foraus.ch\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/types\/blog-post"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/foraus.ch\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=79922"}],"wp:term":[{"taxonomy":"archive-status","embeddable":true,"href":"https:\/\/foraus.ch\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/archive-status?post=79922"},{"taxonomy":"region","embeddable":true,"href":"https:\/\/foraus.ch\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/region?post=79922"},{"taxonomy":"custom-themes","embeddable":true,"href":"https:\/\/foraus.ch\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/custom-themes?post=79922"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}