{"id":79926,"date":"2013-09-26T00:00:00","date_gmt":"2013-09-25T22:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/foraus.ch\/blog-post\/post-15-agenda-die-reaktion-von-alliance-sud\/"},"modified":"2026-05-27T11:21:17","modified_gmt":"2026-05-27T09:21:17","slug":"post-15-agenda-die-reaktion-von-alliance-sud","status":"publish","type":"blog-post","link":"https:\/\/foraus.ch\/fr\/blog-post\/post-15-agenda-die-reaktion-von-alliance-sud\/","title":{"rendered":"Post-15-Agenda \u2013 Die Reaktion von Alliance Sud"},"content":{"rendered":"\n<div class=\"fo-blog__detail__content__excerpt\">\n\n<em>Nina Schneider &#8211;<\/em>\u00a0<strong>Rahel Loretan hat gar nicht so unrecht, wenn sie von einem weltweiten Gesellschaftsvertrag spricht. Denn viel wichtiger noch als die immer knappen Finanzen wird f\u00fcr die neu zu gestaltende Entwicklungsagenda die moralische Akzeptanz sein.<\/strong>\n\n<\/div>\n<!--more-->\n<div class=\"fo-blog__detail__content__content\">\n<div class=\"fo-row\">\n<div class=\"fo-blog__content-html\">\n\n<em>Sustainable Development Goals \u2013 Die Blogreihe<\/em>\n\n<em>Dieser Beitrag ist die Reaktion von Alliance Sud auf den foraus-Blog \u00ab\u00a0Post-15-Agenda: Papiertiger oder revolution\u00e4rer Gesellschaftsvertrag?\u00a0\u00bb und Teil einer Blog-Reihe zu den Sustainable Development Goals (SDG).\u00a0<\/em><em>Diese Blog-Reihe reflektiert bis Mitte Oktober verschiedene Aspekte dieser zuk\u00fcnftigen Entwicklungsagenda.<\/em>\n\nWir von\u00a0<a href=\"http:\/\/www.alliancesud.ch\/de\" rel=\"nofollow noopener\">Alliance Sud\u00a0<\/a>begr\u00fcssen, dass Foraus mit diesem Blog die \u00f6ffentliche Debatte zur Post-2015-Agenda anst\u00f6sst. Die MDGs werden 2015 auslaufen. Diese Woche ziehen die Uno-Staaten an ihrer Generalversammlung in New York Bilanz. Klar ist schon heute: Auch wenn numerisch die Armut weltweit halbiert wurde, ist die Welt von der Realisierung der gesetzten Ziele und einer gerechten Verteilung der global verf\u00fcgbaren Mittel und Chancen noch weit entfernt. Tats\u00e4chlich braucht die Anschlussagenda an die Millenniumsentwicklungsziele (MDGs) scharfe Krallen, wenn sie als Instrument zur L\u00f6sung \u00fcberlappender Krisen weltweit anerkannt werden und vor allem auch Wirkung entfalten soll. Dazu ist es wichtig, die Schw\u00e4chen der MDG zu kennen.\n\n<strong>Aus der MDG-Dekade lernen<\/strong>\n\nDie einfache Formulierung und die begrenzte Anzahl von acht Zielen waren ein wirksamer Ansatz, um Regierungen und Zivilgesellschaft weltweit f\u00fcr wichtige soziale Priorit\u00e4ten zu mobilisieren. So gelang es, gesamthaft die Zahl derjenigen, die pro Tag mit weniger als 1,25 Dollar auskommen m\u00fcssen, zu halbieren. Allerdings war dieser Erfolg bereits im Jahr 2000 absehbar: Er ist vor allem dem rasanten Wirtschaftswachstum im bev\u00f6lkerungsreichen China zu verdanken, aber auch den \u00dcberweisungen von MigrantInnen in ihre Herkunftsl\u00e4nder, die heute rund das Dreifache der Entwicklungshilfe der OECD-Staaten ausmachen.\n\nDie Fortschritte der MDGs fielen je nach Weltregion und Zielgruppe sehr unterschiedlich aus. Die globalen Zielsetzungen, die bewusst keine Macht- und Systemkritik \u00fcbten, beg\u00fcnstigten vielerorts zuerst einmal die leicht erreichbaren Gruppen. Will die Agenda bis 2015 die ausstehenden L\u00fccken f\u00fcllen, sind in den n\u00e4chsten zwei Jahren immer gr\u00f6ssere Anstrengungen n\u00f6tig.\n\nDie gr\u00f6ssten Defizite finden sich im MDG 8, das die Industriel\u00e4nder zu Gunsten der Entwicklung in den \u00e4rmsten L\u00e4ndern zu einer \u00abGlobalen Partnerschaft\u00bb anh\u00e4lt. MDG 8 umfasst die freiwillige Verpflichtung 0,7% des Bruttonationaleinkommens f\u00fcr die Entwicklung in den \u00e4rmsten L\u00e4ndern zu Verf\u00fcgung zu stellen, den Aufbau von berechenbaren und nicht diskriminierenden Handels- und Finanzsystemen, die Unterst\u00fctzung zur L\u00f6sung der Schuldenproblematik, den Zugang zu erschwinglichen Arzneimitteln und zu Informations- und Kommunikationstechnologien etc.\n\nRechtzeitig zum Auftakt der Uno-Generalversammlung hat die\u00a0<a href=\"http:\/\/www.un.org\/en\/development\/desa\/policy\/mdg_gap\/index.shtml\" rel=\"nofollow noopener\">MDG Gap Task Force<\/a>\u00a0ihren Bericht vorgelegt, der detailliert aufzeigt, wo die Industriestaaten hinter ihren Versprechen herhinken. Von den zugesagten j\u00e4hrlichen 300 Milliarden US-Dollar werden heute gerade mal 125 Milliarden geleistet. Statt schrittweise die Beitr\u00e4ge zur erh\u00f6hen, ist in Folge der Austerit\u00e4tspolitik in Europa die Entwicklungshilfe seit zwei Jahren sogar r\u00fcckl\u00e4ufig. So auch die Zahlungen an die \u00e4rmsten L\u00e4nder Schwarzafrikas, die existenziell auf die Transferleistungen angewiesen sind. Auch die Doha-Runde der WTO, die den weltweiten Handel zu Gunsten der Entwicklungsl\u00e4nder reformieren und die Agrarsubventionen der Industriel\u00e4nder abschaffen wollte, ist seit Jahren blockiert. Die bevorstehende Ministerkonferenz in Bali droht erneut ohne Durchbruch in dieser Frage \u00fcber die B\u00fchne zu gehen. Derweil erfassen die breit angelegten Entschuldungsprogramme l\u00e4ngst nicht alle hochverschuldeten L\u00e4nder. Schlimmer noch, sechs der erst k\u00fcrzlich sanierten Staatskassen von \u00e4rmsten L\u00e4ndern (LDCs) drohen in naher Zukunft erneut in eine \u00dcberschuldungsspirale zu geraten. Und dies obwohl internationale Konzerne erfolgreich in den aufstrebenden M\u00e4rkten der Entwicklungsl\u00e4nder wirtschaften. Die Preise f\u00fcr \u00fcberlebenswichtige Medikamente liegen nach wie vor rund 3 bis 6 Prozent \u00fcber den internationalen Referenzwerten und der Markt f\u00fcr Kommunikationstechnologie boomt.\n\nDabei k\u00f6nnten sich viele Entwicklungsl\u00e4nder bereits heute umfassende Sozialprogramme leisten, k\u00f6nnten sie sich mit griffigen Massnahmen gegen die Steuerflucht wehren. Gem\u00e4ss aktuellen Zahlen entgehen ihnen jedes Jahr 284 Milliarden Dollar an m\u00f6glichen Steuereink\u00fcnften (124 Mrd. durch private Steuerflucht und rund 160 Mrd. durch Steuervermeidung multinationaler Konzerne). Kurz und b\u00fcndig, was Not tut sind gerechte Austauschverh\u00e4ltnisse zwischen den reichen m\u00e4chtigen Industriestaaten und dem strukturell armgehaltenen S\u00fcden, die\u00a0<em>alle<\/em>\u00a0Staaten in die Pflicht nehmen. Genau das streben Uno-Generalsekret\u00e4r Ban Ki-moon und die Weltgemeinschaft laut unz\u00e4hligen Berichten mit der Post-2015-Agenda an. (Siehe dazu den neuen\u00a0<a href=\"http:\/\/www.post2015hlp.org\/inourhands\/\" rel=\"nofollow noopener\">Videoclip des High Level Pannel<\/a>).\n\n<strong>\u00abEin Leben in W\u00fcrde f\u00fcr alle\u00bb<\/strong>\n\nDie Vorschl\u00e4ge f\u00fcr die Post-2015-Agenda m\u00f6gen in manchen Ohren utopisch klingen. Rahel Loretan hat gar nicht so unrecht, wenn sie von einem weltweiten Gesellschaftsvertrag spricht. Denn viel wichtiger noch als die immer knappen Finanzen wird f\u00fcr die neu zu gestaltende Entwicklungsagenda die moralische Akzeptanz sein. Wie die MDG wird auch die Post-2015-Agenda keinen Gesetzescharakter geniessen. Vielmehr ist sie auf Zustimmung von Regierungen angewiesen. Mit der breit angelegten Konsultation zu den k\u00fcnftigen Zielen wollen die Uno-Gremien denn auch, dass sich weite Kreise der Zivilgesellschaft, der Wissenschaft und des Privatsektors mit der k\u00fcnftigen Architektur der Weltgemeinschaft auseinandersetzen. Denn letztlich kann nur die Bev\u00f6lkerung ihre Regierung verpflichten, versprochene Massnahmen und Ziele auch wirklich umzusetzen. Ob diese Ziele in letzter Konsequenz realistisch sind, ist aktuell weniger relevant, als dass diese Ziele die globalen Krisen umfassend angehen und ein internationales Rahmenwerk bilden. Ein Rahmenwerk, das entrechteten und verarmten, unterdr\u00fcckten und kranken, von Umweltsch\u00e4den und Klimafolgen betroffenen Menschen Instrumente bereit stellt, das ihre Bed\u00fcrfnisse und N\u00f6te artikuliert und ihnen hilft, ihre Rechte einfordern zu k\u00f6nnen.\n\n<em>Nina Schneider ist bei Alliance Sud verantwortlich f\u00fcr internationale Entwicklungspolitik.<\/em>\n\n<em>Der foraus-Blog ist ein Forum, das sowohl den foraus-Mitgliedern als auch Gastautoren\/innen zur Verf\u00fcgung gestellt wird. Die hier ver\u00f6ffentlichten Beitr\u00e4ge sind pers\u00f6nliche Stellungnahmen der Autoren\/innen Sie entsprechen nicht zwingend der Meinung der Redaktion oder des Vereins foraus.<\/em>\n\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"featured_media":0,"template":"","meta":{"_acf_changed":false},"archive-status":[],"region":[],"custom-themes":[1953],"class_list":["post-79926","blog-post","type-blog-post","status-publish","hentry","custom-themes-internationale-zusammenarbeit-entwicklung"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/foraus.ch\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/blog-post\/79926","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/foraus.ch\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/blog-post"}],"about":[{"href":"https:\/\/foraus.ch\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/types\/blog-post"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/foraus.ch\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=79926"}],"wp:term":[{"taxonomy":"archive-status","embeddable":true,"href":"https:\/\/foraus.ch\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/archive-status?post=79926"},{"taxonomy":"region","embeddable":true,"href":"https:\/\/foraus.ch\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/region?post=79926"},{"taxonomy":"custom-themes","embeddable":true,"href":"https:\/\/foraus.ch\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/custom-themes?post=79926"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}