{"id":79942,"date":"2014-07-25T00:00:00","date_gmt":"2014-07-24T22:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/foraus.ch\/blog-post\/masseneinwanderungsinitiative-die-grosse-enteignung\/"},"modified":"2026-05-27T11:21:18","modified_gmt":"2026-05-27T09:21:18","slug":"masseneinwanderungsinitiative-die-grosse-enteignung","status":"publish","type":"blog-post","link":"https:\/\/foraus.ch\/fr\/blog-post\/masseneinwanderungsinitiative-die-grosse-enteignung\/","title":{"rendered":"Masseneinwanderungsinitiative: Die Grosse Enteignung"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><b>Eine Neugestaltung des Schweizer Migrationsrechts muss der Erkenntnis Rechnung tragen, dass die Zulassung zu einem Arbeitsmarkt \u00f6konomische Werte schafft und der Ausschluss aus diesem Werte vernichtet. Die Autonomie von Zuwanderern ist darum ein guter Gradmesser f\u00fcr das Gesamtwirtschaftliche Interesse.<\/b><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Menschen, die nichts haben, ausser einen gesunden Kopf und zwei kr\u00e4ftige Arme, sind noch nicht zwingend arm. Sie verf\u00fcgen \u00fcber einen grossen potentiellen Reichtum: die Fr\u00fcchte ihrer Arbeit. Eigentum \u2013 jedenfalls das selbst erwirtschaftete \u2013 ist nichts anderes als \u201egeronnene Arbeit\u201c. Die Frage, wieviel Eigentum Menschen durch eigene Arbeit erlangen k\u00f6nnen, h\u00e4ngt somit wesentlich davon ab, ob sie ihre Arbeitskraft an einem Ort anbieten d\u00fcrfen, wo sie einen ordentlichen Wert hat. Menschen, die aus L\u00e4ndern stammen, in denen ihre Arbeit praktisch keinen Wert hat, sind nicht von Geburt an arm, sondern sie werden arm gemacht und arm gehalten durch ein politisches System, das es ihnen verbietet, ihre Arbeitskraft dorthin zu tragen, wo sie einen ernsthaften Wert h\u00e4tte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><b>Brach liegendes Potential<\/b><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcr diejenigen, die ihre Arbeitskraft in ein anderes Land tragen d\u00fcrfen, entscheidet sich die Frage, wieviel von ihrem potentiellen Reichtum sie f\u00fcr sich und die Gesellschaft verwirklichen k\u00f6nnen daran, wie gut und langfristig ihr Aufenthaltsstatus ist. D\u00fcrfen sie nur provisorisch bleiben und wissen sie nie, ob ihr Aufenthalt verl\u00e4ngert wird, lohnt es sich nicht, in ihr Arbeitsverh\u00e4ltnis und in ihre Arbeitskraft zu investieren, in dem sie etwa die Sprache lernen oder eine berufsspezifische Ausbildung absolvieren, was den Wert ihrer Arbeitskraft erh\u00f6hen w\u00fcrde. Die Arbeitskraft von Kurzaufenthaltern, Gastarbeitern und Saisonniers ist daher \u00f6konomisch vergleichbar mit einem Acker, den zwar jemand pfl\u00fcgen und bestellen muss, den der Staat aber jederzeit enteignen darf: Er wird brach liegend bleiben, weil das Risiko einer Investition zu gross ist.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><b>Enteignung ohne Entsch\u00e4digung<\/b><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcr die Umsetzung der Masseneinwanderungsinitiative bedeutet diese einfache \u00dcberlegung zwei Dinge: Erstens ist die Aufhebung der Personenfreiz\u00fcgigkeit gegen\u00fcber der EU\/EFTA eine entsch\u00e4digungslose Enteignung all ihrer B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger. Diesen wird das potentiell sehr wertvolle Recht genommen, ihre Arbeitskraft in der Schweiz anzubieten und diese Arbeitskraft hier vor \u00dcbergriffen des Staates gesch\u00fctzt zu wissen. Die EU \u2013 welche die Interessen ihrer B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger gegen\u00fcber der Schweiz vertritt \u2013 hat nicht den geringsten Anlass, diese Enteignung hinzunehmen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zweitens bedeutet diese \u00dcberlegung f\u00fcr die Neugestaltung des Schweizer Ausl\u00e4nderrechts, dass kurzfristige, prek\u00e4re Formen des Aufenthaltes eine Vernichtung von potentiellem Wert darstellen, an der niemand ein Interesse haben kann (ausser vielleicht Arbeitgeber, deren Gesch\u00e4ftsmodell auf billiger, prek\u00e4rer, schlecht qualifizierten Arbeit beruht).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wichtig f\u00fcr dieses Argument ist eine Einsicht, die an sich selbstverst\u00e4ndlich sein sollte, die in der futterneidigen Debatte \u00fcber Zuwanderung aber gerne vergessen geht: Die Armut des Einen ist noch nicht der Reichtum des anderen, im Gegenteil. Freiwillige wirtschaftliche Transaktionen wie jene zwischen K\u00e4ufer und Verk\u00e4ufer oder jene zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer n\u00fctzen in der Regel beiden Beteiligten und schaffen eine positive Externalit\u00e4t, d.h. sie machen die Gesellschaft als ganzes reicher.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><b>Ein kleineres \u00dcbel<\/b><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Masseneinwanderungsinitiative verlangt nicht nur die selbst\u00e4ndige Steuerung der Zuwanderung in die Schweiz, sondern auch, dass diese den\u00a0<a href=\"http:\/\/www.admin.ch\/ch\/d\/pore\/vi\/vis413t.html\" rel=\"nofollow noopener\">\u201ewirtschaftlichen Gesamtinteressen der Schweiz\u201c<\/a>\u00a0dienen soll. Weil die Enteignung von Ausl\u00e4ndern um den potentiellen Wert ihrer eigenen Arbeit auch die Schweiz und die Schweizerinnen und Schweizer \u00e4rmer macht, muss eine Umsetzung der Initiative besorgt darum sein, dass die M\u00f6glichkeiten einer derartigen Enteignung m\u00f6glichst in Grenzen gehalten werden. Oder anders gesagt: Je mehr Autonomie Ausl\u00e4nderinnen und Ausl\u00e4nder in der Gestaltung ihrer Zukunft in der Schweiz haben, desto besser ist damit dem gesamtwirtschaftlichen Interesse der Schweiz gedient. Unser\u00a0<a title=\"Link: http:\/\/www.forausblog.ch\/nach-dem-mei-schock-zeit-fur-eine-systematische-analyse-der-umsetzungsvorschlage\/#.U9AuvKhtp7w\" href=\"http:\/\/www.forausblog.ch\/nach-dem-mei-schock-zeit-fur-eine-systematische-analyse-der-umsetzungsvorschlage\/#.U9AuvKhtp7w\" rel=\"nofollow noopener\">Ansatz, verschiedene Umsetzungsvarianten der Masseneinwanderungsinitiative systematisch miteinander zu vergleichen<\/a>, tr\u00e4gt diesem Umstand Rechnung.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Um Missverst\u00e4ndnisse zu vermeiden: Bei der Pr\u00fcfung von Umsetzungsvorschl\u00e4gen geht es nur um Schadensbegrenzung. Die grosse Enteignung, die durch die Aufhebung der Personenfreiz\u00fcgigkeit erfolgt und die politische Unsicherheit, die daraus entsteht, ist bereits ein grundlegender Verstoss gegen die wirtschaftlichen Gesamtinteressen der Schweiz. Aber innerhalb der sch\u00e4dlichen Optionen gibt es nat\u00fcrlich sch\u00e4dliche und sch\u00e4dlichere.<\/p>\n","protected":false},"featured_media":68607,"template":"","meta":{"_acf_changed":false},"archive-status":[],"region":[],"custom-themes":[1820],"class_list":["post-79942","blog-post","type-blog-post","status-publish","has-post-thumbnail","hentry","custom-themes-migration"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/foraus.ch\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/blog-post\/79942","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/foraus.ch\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/blog-post"}],"about":[{"href":"https:\/\/foraus.ch\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/types\/blog-post"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/foraus.ch\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/media\/68607"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/foraus.ch\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=79942"}],"wp:term":[{"taxonomy":"archive-status","embeddable":true,"href":"https:\/\/foraus.ch\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/archive-status?post=79942"},{"taxonomy":"region","embeddable":true,"href":"https:\/\/foraus.ch\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/region?post=79942"},{"taxonomy":"custom-themes","embeddable":true,"href":"https:\/\/foraus.ch\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/custom-themes?post=79942"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}