{"id":79979,"date":"2018-02-28T00:00:00","date_gmt":"2018-02-27T23:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/foraus.ch\/blog-post\/chemikalien-auf-abwegen-was-hier-verboten-ist-wird-anderswo-gespritzt\/"},"modified":"2026-05-27T11:21:25","modified_gmt":"2026-05-27T09:21:25","slug":"chemikalien-auf-abwegen-was-hier-verboten-ist-wird-anderswo-gespritzt","status":"publish","type":"blog-post","link":"https:\/\/foraus.ch\/fr\/blog-post\/chemikalien-auf-abwegen-was-hier-verboten-ist-wird-anderswo-gespritzt\/","title":{"rendered":"Chemikalien auf Abwegen \u2013 Was hier verboten ist, wird anderswo gespritzt"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Die Schweiz ist ein historisch wichtiger Produktionsstandort f\u00fcr Pestizide. Gleichzeitig hat die Schweiz diesbez\u00fcglich eine der weltweit strengsten Zulassungsverordnungen. Was hier wegen negativen Auswirkungen auf Umwelt und\/oder Gesundheit verboten wird, h\u00e4lt die Firmen nicht davon ab, die gef\u00e4hrlichen Chemikalien in Entwicklungsl\u00e4ndern zu verkaufen. K\u00f6nnte die Konzernverantwortungsinitiative (KOVI) daran etwas \u00e4ndern?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Bergidylle und Firmenlogos<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Tief im Innern Myanmars schmiegen sich kleine D\u00f6rfer an die gr\u00fcne H\u00fcgellandschaft. Elektrizit\u00e4t gibt es keine und eine befahrbare Strasse existiert auch nicht. Neben den Kalaschnikows der \u00f6rtlichen Miliz sind leere Saatgut-S\u00e4cke von Syngenta eines der wenigen Anzeichen der modernen Zivilisation. In einem Schuppen stehen verwitterte Beh\u00e4ltnisse mit Pestiziden, die Firmenlogos und Gefahrhinweise sind kaum mehr lesbar. Schutzausr\u00fcstung ist keine zu sehen und bei der Wanderung durch die Felder wird auch offensichtlich, dass zum Spritzen keine benutzt wird.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die geschilderte Szenerie entspricht erschreckend genau dem Bericht, welchen die Schweizer NGO Public Eye im November 2017 zum Gebrauch vom Syngenta Totalherbizid Paraquat verfasst hat. Dieser deckt auf, unter welchen gef\u00e4hrlichen Umst\u00e4nden Arbeiter auf philippinischen Plantagen Paraquat spritzen, was bei vielen Menschen zu gesundheitlichen Problemen f\u00fchrt. Wegen seiner Gef\u00e4hrlichkeit f\u00fcr Mensch und Umwelt wurde Paraquat in der Schweiz bereits 1989 verboten. Mittlerweile ist es auch in der EU nicht mehr zugelassen und L\u00e4nder wie Brasilien und China wollen dieser Praxis folgen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Schwache Gesetzgebung in Entwicklungsl\u00e4ndern<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Grunds\u00e4tzlich ist jeder Staat selbst f\u00fcr die Zulassung von Pestiziden zust\u00e4ndig. Dies f\u00fchrt dazu, dass Paraquat in den USA zugelassen ist und in der EU nicht. Was in den USA an einer anderen Rechtspraxis liegt (hier gilt nicht das Vorsorgeprinzip, d.h. die Sch\u00e4dlichkeit eines Produkts muss zweifellos bewiesen werden), ist f\u00fcr Entwicklungsl\u00e4ndern oft eine einfache Kostenfrage. Je \u00e4lter das Pestizid und je unspezifischer dessen Wirkung (und daher oft auch gef\u00e4hrlicher), desto g\u00fcnstiger ist es erh\u00e4ltlich. Vielen Entwicklungsl\u00e4ndern fehlt es schlichtweg an Ressourcen f\u00fcr ein \u00e4hnlich rigoroses Zulassungsverfahren wie in der Schweiz. Dazu kommt, dass Beh\u00f6rden in Entwicklungsl\u00e4ndern bef\u00fcrchten, sie w\u00fcrden den Bauern den Todesstoss versetzen, sollten sie gewisse Pestizide verbieten. Zudem ist die Beurteilung von Zulassungsdossiers anspruchsvoll. Da diese einerseits oft sehr umfangreich und komplex sind und es andererseits in der Vergangenheit vermehrt zu Vorf\u00e4llen der aktiven Besch\u00f6nigung von Studien zu Zulassungsdokumenten vonseiten der Pestizid-Branche kam.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dadurch ergibt sich in vielen Entwicklungsl\u00e4ndern eine weniger strikte Gesetzgebung als diese in Industrienationen wie der Schweiz vorhanden ist. Ausserdem wird die Einhaltung von Gesetzgebungen in Entwicklungsl\u00e4ndern oftmals nicht angemessen \u00fcberpr\u00fcft. Da von Kleinb\u00e4uerinnen und Kleinbauern am Subsistenzniveau nicht erwartet werden kann, dass sie sich eine teure Schutzausr\u00fcstung kaufen, ist unklar, ob eine korrekte Umsetzung von vorhandenen Gesetzgebungen \u00fcberhaupt realistisch ist.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Was kann die KOVI \u00e4ndern?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcr Syngenta heisst das, im konkreten Fall des Pestizids Paraquat aber auch generell, dass das Unternehmen keine Verantwortung f\u00fcr die offensichtlich fehlerhafte Anwendung seiner Pestizide \u00fcbernehmen muss. Schliesslich ist das Pestizid in L\u00e4ndern wie den Philippinen gesetzlich zugelassen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dieses bestehende Vakuum der Verantwortung w\u00fcrde mit einer Annahme der KOVI geschlossen. Neu m\u00fcsste Syngenta nachweisen k\u00f6nnen, dass sie ihre Sorgfaltspflicht bez\u00fcglich internationalen Umweltstandards und Menschenrechten wahrnimmt. Hierzu gibt es bereits ein Gutachten, welches besagt, dass der Verkauf von gef\u00e4hrlichen Pestiziden, von denen Syngenta weiss, dass sie mit sch\u00e4dlichen Folgen falsch verwendet werden, eine Verletzung der Menschenrechte darstellt. Die konkrete Reichweite der Verantwortung Syngentas im Falle des Pestizides Paraquat aber auch f\u00fcr die richtige Verwendung anderer Pestizide, m\u00fcsste bei Annahme der KOVI neu und konkret ermittelt werden. Fest steht jedoch, dass die Annahme der KOVI den Verkauf von gef\u00e4hrlichen Pestiziden in Entwicklungsl\u00e4ndern durch Syngenta auf den Pr\u00fcfstand stellen und damit erschweren w\u00fcrde. Ausserdem w\u00fcrde die Annahme der KOVI die Forderung nach globaler Verantwortung unterst\u00fctzen; hochgiftige Substanzen, die bei uns aus gutem Grund l\u00e4ngst verboten sind, endlich weltweit vom Markt zu nehmen.<\/p>\n","protected":false},"featured_media":68605,"template":"","meta":{"_acf_changed":false},"archive-status":[],"region":[],"custom-themes":[1953],"class_list":["post-79979","blog-post","type-blog-post","status-publish","has-post-thumbnail","hentry","custom-themes-internationale-zusammenarbeit-entwicklung"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/foraus.ch\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/blog-post\/79979","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/foraus.ch\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/blog-post"}],"about":[{"href":"https:\/\/foraus.ch\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/types\/blog-post"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/foraus.ch\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/media\/68605"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/foraus.ch\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=79979"}],"wp:term":[{"taxonomy":"archive-status","embeddable":true,"href":"https:\/\/foraus.ch\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/archive-status?post=79979"},{"taxonomy":"region","embeddable":true,"href":"https:\/\/foraus.ch\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/region?post=79979"},{"taxonomy":"custom-themes","embeddable":true,"href":"https:\/\/foraus.ch\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/custom-themes?post=79979"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}