{"id":79996,"date":"2018-05-15T00:00:00","date_gmt":"2018-05-14T22:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/foraus.ch\/blog-post\/was-fuer-trump-wie-ein-spiel-wirkt-ist-fuer-die-aermsten-bitterer-ernst\/"},"modified":"2026-05-27T11:21:28","modified_gmt":"2026-05-27T09:21:28","slug":"was-fuer-trump-wie-ein-spiel-wirkt-ist-fuer-die-aermsten-bitterer-ernst","status":"publish","type":"blog-post","link":"https:\/\/foraus.ch\/fr\/blog-post\/was-fuer-trump-wie-ein-spiel-wirkt-ist-fuer-die-aermsten-bitterer-ernst\/","title":{"rendered":"Was f\u00fcr Trump wie ein Spiel wirkt, ist f\u00fcr die \u00c4rmsten bitterer Ernst"},"content":{"rendered":"\n<div class=\"fo-blog__detail__content__excerpt\">\n\n<b>Donald Trumps Drohungen, konzertierte Sanktionen und K\u00fcrzungen bei der Nahrungsmittelhilfe haben die Situation in Nordkorea versch\u00e4rft \u2013 und Kim Jong-un an den Verhandlungstisch gebracht. Wird das \u00abdiplomatische Fenster\u00bb jetzt nicht genutzt, trifft es die Zivilbev\u00f6lkerung besonders hart \u2013 einmal mehr.<\/b>\u00a0Patrik Berlinger\n\n<\/div>\n<!--more-->\n<div class=\"fo-blog__detail__content__content\">\n<div class=\"fo-row\">\n<div class=\"fo-blog__content-html\">\n\nSeit Jahresbeginn macht der nordkoreanische Diktator diplomatische Avancen in erstaunlichem Tempo. Glaubt man den Ank\u00fcndigungen nach dem Treffen zwischen Kim Jong-un und S\u00fcdkoreas Pr\u00e4sidenten, soll der Kriegszustand endlich beendet werden und die \u00abvollst\u00e4ndige nukleare Abr\u00fcstung\u00bb Nordkoreas erfolgen. Beides w\u00e4ren wahrhaft historische Schritte.\n\n<b>Warum jetzt? Und warum so schnell?<\/b>\n\nIn j\u00fcngerer Zeit haben Nahrungsmittelmangel und Energieknappheit ebenso wie ungen\u00fcgende Fremdw\u00e4hrungsbest\u00e4nde und gesellschaftliche Ver\u00e4nderungen Kim Jong-un dazu bewogen, zaghafte Schritte in Richtung einer sanften Liberalisierung in die Wege zu leiten. Tats\u00e4chlich haben sich die Lebensbedingungen in Pj\u00f6ngjang f\u00fcr eine d\u00fcnne \u201eMittelschicht\u201c etwas verbessert. Doch wenn man die Hauptstadt hinter sich l\u00e4sst, zeigt sich das wahre Gesicht \u2013 Armut und fehlende Perspektiven.\n\nNach wie vor ist der Staat repressiv und praktisch vollkommen abgeschottet von der Welt. Kaum einer kann sich frei im Land bewegen. Und Hunger, Folter, Zwangsarbeit und Sippenhaft bleiben traurige Realit\u00e4t f\u00fcr viele. Angaben zum Staatshaushalt sind derart ungen\u00fcgend und unvollst\u00e4ndig, dass Nordkorea nebst Somalia das einzige Land ist, f\u00fcr das der Human Development Index des UN-Entwicklungsprogramms UNDP nicht verf\u00fcgbar ist: Index n.a., Rank n.a.\n\nNordkorea kann seine Bev\u00f6lkerung mit der eigenen Agrarproduktion nicht ern\u00e4hren. Dies, obwohl jeder Dritte in diesem Sektor arbeitet. Die Landwirtschaft ist gepr\u00e4gt von negativen Wachstumsraten und strukturellen Problemen: tiefe Mechanisierung, mangelhafte Bew\u00e4sserung, \u00dcbernutzung der B\u00f6den. Der Nahrungsmittelmangel treibt viele Bauern dazu, steilste H\u00e4nge zu bewirtschaften. Dies f\u00fchrt zu Abholzung und Erosion und erh\u00f6ht das Risiko von Naturkatastrophen \u2013 ein Teufelskreis.\n\nGem\u00e4ss World Food Programme leidet 41% der Bev\u00f6lkerung unter chronischer Ern\u00e4hrungsunsicherheit; eine Zunahme um 80% gegen\u00fcber 1990. Kinder, schwangere und stillende Frauen sowie die \u00e4ltere Bev\u00f6lkerung sind besonders von Unterern\u00e4hrung betroffen. Rund jedes vierte Kind unter 5 Jahren leidet unter Wachstumsst\u00f6rungen.\n\nGem\u00e4ss des Indexes \u00f6konomischer Freiheit 2018 schneidet die nordkoreanische Wirtschaft nicht nur unter den 43 L\u00e4ndern der Asien-Pazifik-Region, sondern insgesamt am schlechtesten ab: Nordkorea belegt den 180. und somit letzten Platz aller bewerteten L\u00e4nder \u2013 hinter Venezuela, Eritrea und Simbabwe.\n\nAngesichts der Problemlage w\u00e4ren Reformen in der Wirtschaft und im Agrarsektor wichtig. Auch Auslandsinvestitionen und Entwicklungszusammenarbeit k\u00f6nnten in Zukunft Schl\u00fcsselfaktoren f\u00fcr eine Verbesserung der Wirtschaftslage, der Ern\u00e4hrungssituation sowie des allgemeinen Lebensstandards sein. Ob es soweit kommt, bleibt abzuwarten.\n\n<b>Sanktionen ausbauen, humanit\u00e4re Hilfe runterfahren<\/b>\n\nDie USA haben es geschafft, das internationale Sanktionsregime gegen\u00fcber dem schlauen, aber brutalen Diktator noch einmal entscheidend zu versch\u00e4rfen. Trump gelang es, die Chinesen zu \u00fcberzeugen, ihren Handel in Richtung Nordkorea einzuschr\u00e4nken. Auch die Schweiz setzt die Resolution 2397 des UN-Sicherheitsrates um und hat die Sanktionen Ende April erneut versch\u00e4rft. Durch die Sanktionen wird das bereits bestehende Verbot der Erteilung von Arbeitsbewilligungen versch\u00e4rft, die Einfuhr von Erd\u00f6lfertigprodukten reduziert und der Verkauf und die Lieferung von Industriemaschinen und Fahrzeugen verboten.\n\nDerweil wird bei der humanit\u00e4ren Hilfe gespart. So fehlen beim WFP gegenw\u00e4rtig wichtige Mittel zur Durchf\u00fchrung von humanit\u00e4ren Programmen. Die UN-Organisation machte Ende 2017 darauf aufmerksam, dass unter diesen Voraussetzungen knapp 200\u2019000 Kindern weniger geholfen werden k\u00f6nne. Die Folgen der j\u00fcngsten UN- und bilateralen Sanktionen h\u00e4tten dabei direkte Auswirkungen auf die Arbeit des Hilfsprogramms.\n\n<b>Das \u00abWindow of Opportunity\u00bb nutzen!<\/b>\n\nKim Jong-uns z\u00f6gerliche wirtschaftliche \u00d6ffnung (u.a. die Er\u00f6ffnung von Special Economic Zones) hat nicht die erhofften und dringend ben\u00f6tigten Devisen ins Land gesp\u00fclt. Gleichzeitig zeigen die internationalen Sanktionen ihre Wirkung und isolieren das Land zus\u00e4tzlich. Schliesslich steht China nicht mehr so stark hinter dem Diktator; das Atomprogramm wurde zu aggressiv vorangetrieben.\n\nKim Jong-un macht den ersten Schritt, geht auf S\u00fcdkorea und China zu. Trump kann sich nun nicht mehr damit br\u00fcsten, das nordkoreanische Regime in die Knie gezwungen zu haben. Er muss am bevorstehenden bilateralen Treffen liefern. Und ebenfalls konkrete und konstruktive Angebote unterbreiten.\n\nSollte Nordkorea tats\u00e4chlich beabsichtigen, das Atomprogramm zu beenden und IAEA-Kontrolleure ins Land zu lassen, m\u00fcssen die Sanktionen gelockert werden, muss die Hilfe schnell wieder aufgestockt werden, m\u00fcssen die provokativen und destabilisierenden Milit\u00e4r\u00fcbungen zusammen mit S\u00fcdkorea aufh\u00f6ren und ein Nicht-Angriffs-Versprechen abgegeben werden.\n\nDie Schweiz, die EU sowie relevante internationale Organisationen m\u00fcssen Trump und Kim Jong-un in die Pflicht nehmen und positive Ver\u00e4nderungen im Interesse der leidenden und unterdr\u00fcckten nordkoreanischen Bev\u00f6lkerung einfordern. Geopolitische Interessen und Machtspiele m\u00fcssen zur\u00fcckgestellt werden. Fortan m\u00fcssen l\u00e4ndliche und einkommensschwache Bev\u00f6lkerungsschichten, Kleinkinder, junge M\u00fctter und Rentner ins Blickfeld r\u00fccken.\n\nOb Trumps pseudo-diplomatische \u201eSpiel\u201c aufgeht, ist offen. Ebenso offen ist, ob es dem jungen Diktator dieses Mal wirklich ernst ist. Feststeht hingegen bereits jetzt: die \u00c4rmsten leiden am st\u00e4rksten unter den Machtspielen und K\u00fcrzungen beim humanit\u00e4ren Engagement. Trump ist (hoffentlich) Ende November 2020 weg, der Hunger in Nordkorea wird wohl noch einige Jahre andauern.\n\n&nbsp;\n\n<i><b>Schweizer Engagement in Nordkorea<\/b><\/i>\n\n<i>Seit 1995 f\u00fchrt die Schweiz humanit\u00e4re Programme in Nordkorea durch. Die DEZA unterst\u00fctzt Nordkorea, Hanglagen landwirtschaftlich zu nutzen und vor Erosion zu sch\u00fctzen. Sie f\u00f6rdert die Gesundheit der Bev\u00f6lkerung durch den verbesserten Zugang zu sauberem Trinkwasser und sanit\u00e4ren Installationen und verteilt Milchpulver \u00fcber das WFP. Die DEZA geniesst dank langj\u00e4hrigem Engagement, Zuverl\u00e4ssigkeit und thematischer Kompetenz bei ihren nationalen und internationalen Partnern grosses Vertrauen. Die Schweiz ist eine der gr\u00f6ssten Gebernationen.<\/i>\n\n<i>Auch die EU engagiert sich seit 1995 im humanit\u00e4ren Bereich. Die European Commission\u2019s Civil Protection and Humanitarian Aid Operations fokussiert dabei auf Nahrungsmittelhilfe, den Gesundheitsbereich und den Zugang zu sauberem Wasser und sanit\u00e4ren Anlagen.<\/i>\n\n<i>Dar\u00fcber hinaus leisten noch weitere Organisationen eingeschr\u00e4nkt humanit\u00e4re Hilfe, unter anderem das IKRK und Caritas International.<\/i>\n\n<b>\n<\/b><b>Image: <\/b>Patrik Berlinger, Nordkorea 2015\n\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"featured_media":68641,"template":"","meta":{"_acf_changed":false},"archive-status":[],"region":[],"custom-themes":[1953],"class_list":["post-79996","blog-post","type-blog-post","status-publish","has-post-thumbnail","hentry","custom-themes-internationale-zusammenarbeit-entwicklung"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/foraus.ch\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/blog-post\/79996","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/foraus.ch\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/blog-post"}],"about":[{"href":"https:\/\/foraus.ch\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/types\/blog-post"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/foraus.ch\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/media\/68641"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/foraus.ch\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=79996"}],"wp:term":[{"taxonomy":"archive-status","embeddable":true,"href":"https:\/\/foraus.ch\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/archive-status?post=79996"},{"taxonomy":"region","embeddable":true,"href":"https:\/\/foraus.ch\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/region?post=79996"},{"taxonomy":"custom-themes","embeddable":true,"href":"https:\/\/foraus.ch\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/custom-themes?post=79996"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}