{"id":80016,"date":"2018-11-15T00:00:00","date_gmt":"2018-11-14T23:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/foraus.ch\/blog-post\/reality-check-der-konzernverantwortungsinitiative-am-beispiel-von-syngenta-in-pakistan\/"},"modified":"2026-05-27T11:21:31","modified_gmt":"2026-05-27T09:21:31","slug":"reality-check-der-konzernverantwortungsinitiative-am-beispiel-von-syngenta-in-pakistan","status":"publish","type":"blog-post","link":"https:\/\/foraus.ch\/fr\/blog-post\/reality-check-der-konzernverantwortungsinitiative-am-beispiel-von-syngenta-in-pakistan\/","title":{"rendered":"Reality-Check der Konzernverantwortungsinitiative am Beispiel von Syngenta in Pakistan"},"content":{"rendered":"\n<div class=\"fo-blog__detail__content__excerpt\">\n\n<strong>Verschiedene Beispiele zeigen auf, dass Freiwilligkeit nicht ausreicht, damit Schweizer Konzerne ihren Verantwortungen in anderen L\u00e4ndern nachkommen. Aus dieser Einsicht entstand die Konzernverantwortungsinitiative. Auch bei Syngenta in Pakistan, die schon seit Jahren arbeitsrechtliche Vorgaben missachtet, k\u00f6nnte die Annahme der Initiative wohl zu lang erhofften Ver\u00e4nderungen f\u00fchren.<\/strong>\n\n<\/div>\n<!--more-->\n<div class=\"fo-blog__detail__content__content\">\n<div class=\"fo-row\">\n<div class=\"fo-blog__content-html\">\n\n<strong>Freiwilligkeit oder nicht<\/strong>\n\nDie Konzernverantwortungsinitiative (KOVI) wird derzeit im Schweizer Parlament heftig debattiert. Ein h\u00e4ufig erw\u00e4hntes Argument gegen die Initiative ist die Aussage, Konzerne w\u00fcrden sich bereits freiwillig zur Einhaltung von hohen Umwelt- und Menschenrechtsstandards verpflichten, eigenen ethischen Grunds\u00e4tzen folgen und w\u00fcrden durch die Initiative bloss mit unn\u00f6tigen administrativen Vorgaben konfrontiert, welche ihr Engagement im sozialen Bereich, f\u00fcr ihre Mitarbeitenden und f\u00fcr die Umwelt nur verkomplizieren w\u00fcrden.\n\nNat\u00fcrlich gibt es Firmen, die wirklich den Verantwortungen, die ihre Arbeit mit sich bringt, nachkommen. Leider liegen aber auch verschiedenste Beispiele vor, welche das Gegenteil aufzeigen. Aus dieser Ungleichheit geht f\u00fcr jene Firmen, die sich vorbildlich verhalten, ein Nachteil hervor, da sie mit Unternehmen konkurrieren m\u00fcssen, die sich ihren Verantwortungen entziehen. Deshalb geht es bei der KOVI unter anderem darum, Vorgaben zu schaffen, welche verantwortungsvolle Firmen nicht weiterhin benachteiligen, sondern alle gleichermassen zur Rechenschaft ziehen. Nur so kann sichergestellt werden, dass Firmen ihre Pflichten wahrnehmen.\n\n<strong>Zum Beispiel in Pakistan <\/strong>\n\nPakistan ist mit einer Bev\u00f6lkerung von \u00fcber 200 Millionen das sechstgr\u00f6sste Land der Welt. Etwa 30% der Menschen leben unter der Armutsgrenze. Die Industrie ist nur wenig diversifiziert; ein Viertel des BIP stammt vom Agrarsektor. Exportiert werden vor allem Textilien, aber auch <a href=\"https:\/\/www.cia.gov\/library\/publications\/the-world-factbook\/geos\/pk.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener nofollow\">Pestizide<\/a>. Ein weiteres wichtiges Standbein der Wirtschaft ist die Pharmaindustrie. Unter diesen Rahmenbedingungen ist es nicht \u00fcberraschend, dass Schweizer Firmen wie Novartis und Syngenta in Pakistan pr\u00e4sent sind.\n\nIm Rahmen ihrer Corporate Responsibility Strategie zeigt Syngenta auf der eigenen Website auf, wie der Konzern die Erreichung der Sustainable Development Goals unterst\u00fctzt, unter anderem SDG 8 &#8211; menschenw\u00fcrdige Arbeit f\u00fcr <a href=\"https:\/\/www.syngenta.com\/how-we-do-it\/corporate-responsibility\" target=\"_blank\" rel=\"noopener nofollow\">alle<\/a>. Zudem besagt Syngentas Verhaltenskodex, die Firma halte sich an alle Arbeitsgesetze, sowie an nationale und internationale Normen wie zum Beispiel die <a href=\"https:\/\/www.syngenta.com\/who-we-are\/corporate-governance-de\/verhaltenskodex\" target=\"_blank\" rel=\"noopener nofollow\">Menschenrechte<\/a>. Ein Blick auf Syngenta in Pakistan zeigt dabei allerdings auf, dass ein solches freiwilliges Engagement in der Realit\u00e4t nicht umgesetzt wird.\n\n<strong>Verst\u00f6sse gegen das Arbeitsrecht<\/strong>\n\nDas pakistanische Arbeitsrecht bietet einen weitgehenden Arbeitnehmerschutz. Ein wichtiger Bestandteil davon ist die Definition von Leiharbeit im Stundenlohn im Gegensatz zu einer festen Anstellung. So heisst es im Gesetz, wer 90 Tage am St\u00fcck oder 180 Tage innerhalb eines Jahres bei einem Unternehmen besch\u00e4ftigt sei, m\u00fcsse angestellt werden. Dies ist insofern von Bedeutung, weil die von den Gewerkschaften ausgehandelten Mindestl\u00f6hne, Boni etc. nur f\u00fcr Angestellte gelten, nicht aber f\u00fcr Leiharbeitende. F\u00fcr Unternehmen ist es gerade deshalb ein gutes Gesch\u00e4ft, m\u00f6glichst viele Mitarbeitende als Leiharbeitende zu halten. Leider hat sich das Problem dieser Informalisierung im Arbeitsmarkt in den letzten Jahren versch\u00e4rft, sodass grosse Konzerne zum Teil Tausende von Leiharbeitenden besch\u00e4ftigen.\n\nSyngenta wurde deshalb in Pakistan schon mehrfach vor Gericht <a href=\"https:\/\/www.woz.ch\/1541\/syngenta-in-pakistan\/wer-klagt-wird-entlassen\" target=\"_blank\" rel=\"noopener nofollow\">gebracht<\/a>. Der Verein MultiWatch ver\u00f6ffentlichte ausf\u00fchrliche <a href=\"http:\/\/marchagainstsyngenta.org\/wp-content\/uploads\/2017\/04\/March-on-Syngenta_ebook_e_short_20161109.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener nofollow\">Artikel<\/a> zu diesem und anderen F\u00e4llen in seinem 2016 erschienenen Buch \u201aSchwarzbuch Syngenta &#8211; Dem Basler Agromulti auf der Spur\u2018. Die b\u00fcrokratischen Verfahren dauerten Jahre und wurden jeweils bis zum obersten Gerichtshof weitergezogen. Die Klagenden wurden entlassen. Obwohl Syngenta diese Verfahren bei jeder Instanz verlor und aufgefordert wurde, die Anstellungen zu regularisieren und noch ausstehende L\u00f6hne zu zahlen, hat der Konzern die Urteile ignoriert; gem\u00e4ss Recherchen der WOZ ohne <a href=\"https:\/\/www.woz.ch\/1541\/syngenta-in-pakistan\/wer-klagt-wird-entlassen\" target=\"_blank\" rel=\"noopener nofollow\">Konsequenzen<\/a>. An der Praxis der \u00fcberwiegenden Leiharbeit hat sich nichts ge\u00e4ndert. Die Gewerkschaften sind \u00fcberfordert mit der grossen Anzahl F\u00e4lle und die Betroffenen sind frustriert \u00fcber die fehlenden Konsequenzen nach den bereits gewonnenen Verfahren.\n\n<strong>Klagen in der Schweiz geben Aussicht auf echte Ver\u00e4nderung<\/strong>\n\nNebst den klaren Verst\u00f6ssen gegen das pakistanische Arbeitsrecht liegen hier aber auch Verst\u00f6sse gegen Menschenrechte vor. So missachtet der vorliegende Fall das Verbot der Diskriminierung (Artikel 2), sowie das Recht auf Arbeit und gleichen Lohn (Artikel 23). Im Rahmen der KOVI k\u00f6nnten Klagen deshalb in der Schweiz diskutiert werden und die Kl\u00e4ger h\u00e4tten damit Aussicht auf eine echte Verbesserung der Situation.\n\nBei einer Annahme der Initiative k\u00f6nnte zum Beispiel Syngenta in der Schweiz f\u00fcr die Menschenrechtsverst\u00f6sse in Pakistan verklagt werden. Syngenta m\u00fcsste dann gem\u00e4ss der <a href=\"http:\/\/34.65.158.36\/#!\/blog\/c!\/content-7642-die-konzernverantwortungsinitiative-im-fokus\" target=\"_blank\" rel=\"noopener nofollow\">Sorgfaltspflicht<\/a> nachweisen, dass sie die ihr m\u00f6glichen Massnahmen getroffen hat, damit die F\u00fchrung in der Pestizidfabrik in Karatschi nicht gegen die Menschenrechte verst\u00f6sst. Dies w\u00e4re vielversprechend, denn wie die Situation in den letzten Jahren zeigt, werden ohne ein Eingreifen von Seiten des Schweizer Hauptsitzes weiterhin Menschenrechte verletzt.\n\nMit der KOVI steht die Schweiz vor der Entscheidung, ob sie von ihren international t\u00e4tigen Konzernen endlich die notwendige Sorgfaltspflicht und Rechenschaft einfordern will. Trotzdem w\u00e4re aber auch bei der Annahme der KOVI nat\u00fcrlich nicht klar, wer die Einhaltung des Arbeitsrechts in Pakistan sicherstellen k\u00f6nnte.\n\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"featured_media":68607,"template":"","meta":{"_acf_changed":false},"archive-status":[],"region":[],"custom-themes":[1953],"class_list":["post-80016","blog-post","type-blog-post","status-publish","has-post-thumbnail","hentry","custom-themes-internationale-zusammenarbeit-entwicklung"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/foraus.ch\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/blog-post\/80016","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/foraus.ch\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/blog-post"}],"about":[{"href":"https:\/\/foraus.ch\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/types\/blog-post"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/foraus.ch\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/media\/68607"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/foraus.ch\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=80016"}],"wp:term":[{"taxonomy":"archive-status","embeddable":true,"href":"https:\/\/foraus.ch\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/archive-status?post=80016"},{"taxonomy":"region","embeddable":true,"href":"https:\/\/foraus.ch\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/region?post=80016"},{"taxonomy":"custom-themes","embeddable":true,"href":"https:\/\/foraus.ch\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/custom-themes?post=80016"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}