{"id":80117,"date":"2020-05-26T16:42:23","date_gmt":"2020-05-26T14:42:23","guid":{"rendered":"https:\/\/foraus.ch\/blog-post\/kein-allheilmittel-der-iza-berufsbildung-kann-nicht-alle-probleme-loesen\/"},"modified":"2026-05-27T11:21:43","modified_gmt":"2026-05-27T09:21:43","slug":"kein-allheilmittel-der-iza-berufsbildung-kann-nicht-alle-probleme-loesen","status":"publish","type":"blog-post","link":"https:\/\/foraus.ch\/fr\/blog-post\/kein-allheilmittel-der-iza-berufsbildung-kann-nicht-alle-probleme-loesen\/","title":{"rendered":"Kein Allheilmittel der IZA: Berufsbildung kann nicht alle Probleme l\u00f6sen"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Schaffung von menschenw\u00fcrdigen Arbeitspl\u00e4tzen und Perspektiven auf dem lokalen Arbeitsmarkt, Verringerung von Jugendarbeitslosigkeit und des Bev\u00f6lkerungswachstums, Wirtschaftsentwicklung, Armutsreduktion \u2013 zu all diesen Zielen sollen Berufsbildungsprojekte, inspiriert durch das schweizerische Modell, einen Beitrag leisten. Die Wirkungszusammenh\u00e4nge in der neuen <\/strong><a href=\"https:\/\/www.eda.admin.ch\/IZA2021-2024\" rel=\"nofollow noopener\"><strong>Strategie der internationalen Zusammenarbeit (IZA) 2021-2024<\/strong><\/a><strong> sind aber zu breit gefasst und k\u00f6nnen falsche Erwartungen wecken.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Schweiz wird weltweit f\u00fcr ihr <a href=\"http:\/\/www.oecd.org\/education\/skills-beyond-school\/OECD_VET_Key_Messages_and_Country_Summaries_2015.pdf\" rel=\"nofollow noopener\">attraktives duales Berufsbildungssystem<\/a> anerkannt. Das System tr\u00e4gt zu einer starken Ausrichtung der Berufsbildung an die Bed\u00fcrfnisse des Arbeitsmarktes bei und ist in der Lage, junge Menschen reibungslos in den Arbeitsmarkt und in die Gesellschaft zu integrieren. Diese leisten wiederum einen Beitrag zu einer qualifizierten Erwerbsbev\u00f6lkerung sowie zu <a href=\"https:\/\/www.oxfordscholarship.com\/view\/10.1093\/acprof:oso\/9780199599431.001.0001\/acprof-9780199599431-chapter-8\" rel=\"nofollow noopener\">niedrigen Jugendarbeitslosigkeitsraten<\/a>. Einer der Hauptgr\u00fcnde f\u00fcr diesen Erfolg liegt in der starken Beteiligung des Privatsektors in der Steuerung, Gestaltung, Reform und Finanzierung der Berufsbildung. Es ist daher nicht weiter verwunderlich, dass die DEZA ihre Ans\u00e4tze, Kompetenzen und Fachkenntnisse in der Berufsbildung als <a href=\"https:\/\/www.eda.admin.ch\/IZA2021-2024\" rel=\"nofollow noopener\">zentralen Mehrwert in der Entwicklungszusammenarbeit<\/a>positioniert. Ihr Anspruch ist nicht, das schweizerische System zu kopieren, sondern, dass gewisse Ans\u00e4tze und Elemente, insbesondere die Einbindung des Privatsektors, als Inspiration dienen und an den lokalen Kontext angepasst werden. Durch den Aufbau arbeitsmarktorientierter Kompetenzen sollen langfristig wirtschaftliche (h\u00f6here Produktion, Wettbewerbsf\u00e4higkeit, Wachstum), soziale (Bildung, Inklusion) und individuelle (Arbeitsmarktf\u00e4higkeit, pers\u00f6nliche Entwicklung, bessere Arbeitsbedingungen) <a href=\"https:\/\/www.dcdualvet.org\/wp-content\/uploads\/DC-dVET-Dual-VET-as-an-Option-in-Development-Cooperation_Survey-Matthias-Jaeger.pdf\" rel=\"nofollow noopener\">Ziele<\/a> erreicht werden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Diese Wirkungslogik ist zwar nicht falsch, aber zu kurz gegriffen. Denn:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Erstens, es existiert eine <a href=\"https:\/\/journals.sagepub.com\/doi\/abs\/10.1177\/1474904119869561?journalCode=eera&amp;\" rel=\"nofollow noopener\">Spannung zwischen wirtschaftlichen und sozialen Zielen<\/a>. Auf der einen Seite m\u00f6chten Arbeitgeber durch ihr Engagement in der Berufsbildung ihre Produktivit\u00e4t erh\u00f6hen sowie zuk\u00fcnftige Arbeitskr\u00e4fte identifizieren. Deshalb rekrutieren sie die leistungsst\u00e4rksten Kandidaten. Auf der anderen Seite hat der Staat ein Interesse daran, auch leistungsschw\u00e4chere und benachteiligte Sch\u00fcler in die Berufsbildung zu integrieren und gleiche Chancen auf eine hochwertige Bildung f\u00fcr alle zu erm\u00f6glichen. Diese Spannung muss bei der Einbindung von privatwirtschaftlichen Akteuren ber\u00fccksichtigt werden. Strategien und Konzepte m\u00fcssen entwickelt werden, welche die Weltbilder privatwirtschaftlicher und \u00f6ffentlicher Akteure vereinen und eine langfristige Zusammenarbeit erm\u00f6glichen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zweitens gilt es Lehren aus den Erkenntnissen von sechzig Jahren internationaler F\u00f6rderung dualer Berufsbildung in der Entwicklungszusammenarbeit zu ziehen. Die <a href=\"https:\/\/link.springer.com\/chapter\/10.1007\/978-3-658-23185-9_4\" rel=\"nofollow noopener\">Meta-Evaluation von deutschen Berufsbildungsprojekten<\/a>, welche ebenfalls den dualen Ansatz verfolgen, zeigt auf, dass Projekte, welche sehr ambitionierte Ziele haben und Breitenwirksamkeit anstreben (z.B. breite Reformprozesse ausl\u00f6sen wollen) wenig nachhaltig sind. Aus der <a href=\"https:\/\/www.zora.uzh.ch\/id\/eprint\/50104\/\" rel=\"nofollow noopener\">schweizerischen Meta-Evaluation<\/a> nehmen wir die Erkenntnis mit, dass Regierungen und private Akteure in den Schwerpunktl\u00e4ndern oftmals nicht die Ressourcen und Anreize haben, die Berufsbildungsprojekte horizontal oder vertikal zu skalieren. Breitenwirksamkeit wird aber als grundlegender Baustein in der Strategie IZA 2021-2024 vorausgesetzt, um Ziele wie Wirtschaftsentwicklung, Schaffung von menschenw\u00fcrdigen Arbeitspl\u00e4tzen oder Verringerung von Jugendarbeitslosigkeit zu erreichen. Der daf\u00fcr erforderliche Institutionenaufbau braucht jedoch viel Zeit, Ressourcen und Akteure des Wandels. Es bedarf deshalb eines klaren Erwartungsmanagements, was Berufsbildungsprojekte in Partnerl\u00e4ndern realistischerweise auf der Makro-Ebene erreichen k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nichtsdestotrotz l\u00e4sst sich nicht von der Hand weisen, dass duale Bildung ein wertvolles Werkzeug der Entwicklungszusammenarbeit darstellt. Schliesslich beschreibt die <a href=\"https:\/\/www.oecd-ilibrary.org\/education\/better-skills-better-jobs-better-lives_9789264177338-en\" rel=\"nofollow noopener\">OECD Kompetenzen (\u00abSkills\u00bb) nicht umsonst als die globale W\u00e4hrung der Volkswirtschaften des 21. Jahrhunderts<\/a>. Die vierte industrielle Revolution verlangt in <a href=\"https:\/\/publications.iadb.org\/publications\/english\/document\/The-Future-of-Work-Regional-Perspectives.pdf\" rel=\"nofollow noopener\">allen Regionen der Welt<\/a> nach F\u00e4higkeiten wie digitalen und numerischen Fertigkeiten oder \u00absoft skills\u00bb wie emotionaler Intelligenz, Probleml\u00f6sungs- und Kommunikationsf\u00e4higkeiten. K\u00fcnstliche Intelligenz, Digitalisierung und Automatisierung gef\u00e4hrden deshalb traditionelle technische Berufe.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Schweiz kann in diesem Bereich nicht auf ihre 100-j\u00e4hrige Erfahrung und Expertise in den klassischen Wirtschaftssektoren zur\u00fcckgreifen. Wir befinden wir uns alle im Prozess, unsere Bildungssysteme an die Anforderungen der Arbeitswelt des 21. Jahrhunderts anzupassen. Lern- und Transferprozesse werden deshalb nicht mehr traditionell von Norden in den S\u00fcden verlaufen, sondern in alle Richtungen. Akteure aus der Entwicklungszusammenarbeit, aus dem Bildungswesen und aus der Arbeitswelt m\u00fcssen deshalb offen sein f\u00fcr neue Bildungs- und Trainingskonzepte sowie innovativen Formen der Zusammenarbeit zwischen \u00f6ffentlichen und privaten Akteuren in Bildungsfragen. Dies erm\u00f6glicht jungen Menschen weltweit \u2013 einem eigentlichen demographischen Geschenk \u2013 die grossartigen Chancen der technologischen Ver\u00e4nderung wahrnehmen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Image from <a href=\"https:\/\/unsplash.com\/photos\/GAEvM4qvlBk\" rel=\"nofollow noopener\">Daniel Wiadro<\/a> from <a href=\"https:\/\/unsplash.com\/photos\/GAEvM4qvlBk\" rel=\"nofollow noopener\">Unsplash<\/a><\/p>\n","protected":false},"featured_media":80118,"template":"","meta":{"_acf_changed":false},"archive-status":[],"region":[],"custom-themes":[1953],"class_list":["post-80117","blog-post","type-blog-post","status-publish","has-post-thumbnail","hentry","custom-themes-internationale-zusammenarbeit-entwicklung"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/foraus.ch\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/blog-post\/80117","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/foraus.ch\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/blog-post"}],"about":[{"href":"https:\/\/foraus.ch\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/types\/blog-post"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/foraus.ch\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/media\/80118"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/foraus.ch\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=80117"}],"wp:term":[{"taxonomy":"archive-status","embeddable":true,"href":"https:\/\/foraus.ch\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/archive-status?post=80117"},{"taxonomy":"region","embeddable":true,"href":"https:\/\/foraus.ch\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/region?post=80117"},{"taxonomy":"custom-themes","embeddable":true,"href":"https:\/\/foraus.ch\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/custom-themes?post=80117"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}