{"id":80153,"date":"2020-11-25T15:06:59","date_gmt":"2020-11-25T14:06:59","guid":{"rendered":"https:\/\/foraus.ch\/blog-post\/sklaverei-im-21-jahrhundert-von-knechtschaft-kovi-und-konzernen\/"},"modified":"2026-05-27T11:21:47","modified_gmt":"2026-05-27T09:21:47","slug":"sklaverei-im-21-jahrhundert-von-knechtschaft-kovi-und-konzernen","status":"publish","type":"blog-post","link":"https:\/\/foraus.ch\/fr\/blog-post\/sklaverei-im-21-jahrhundert-von-knechtschaft-kovi-und-konzernen\/","title":{"rendered":"Sklaverei im 21. Jahrhundert?! Von Knechtschaft, KOVI und Konzernen"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><i><span style=\"font-weight: 400;\">In wenigen Tagen ist es soweit: nach Monaten und Jahren zahlreicher Debatten und \u00f6ffentlicher Diskussionen des F\u00fcr und Wider, wird nun endlich am 29. November 2020 die Konzernverantwortungsinitiative (KOVI) dem eidgen\u00f6ssischen Stimmvolk zur Abstimmung vorgelegt. Wie ein JA! zur Schweizer Initiative auch zu einem Nein! zum immer noch anhaltenden Ph\u00e4nomen der globalen Sklaverei beitragen w\u00fcrde, wird im vorliegenden Blogbeitrag beleuchtet.<\/span><\/i><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><span style=\"font-weight: 400;\">Schauen wir uns zu Beginn das Ph\u00e4nomen der modernen Sklaverei genauer an.\u00a0<\/span><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><span style=\"font-weight: 400;\">Im Rahmen der Black Lives Matter-Bewegung wurden in letzter Zeit vermehrt Artikel zur <\/span><a href=\"https:\/\/www.handelszeitung.ch\/unternehmen\/schweizer-sklavenhandel-die-schweizer-sklavenhandler\" rel=\"nofollow noopener\"><span style=\"font-weight: 400;\">helvetischen Sklavenhalter-Vergangenheit<\/span><\/a><span style=\"font-weight: 400;\"> publiziert und damit aufgezeigt, wie hiesige Unternehmerfamilien jahrhundertelang, sogar bis ins 19. Jahrhundert hinein, von Menschenhandel mit dem Ziel der Knechtschaft profitierten.\u00a0<\/span><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><span style=\"font-weight: 400;\">Dies ist einer jener Artikel, die sich mit Traurigkeit, Entsetzen und Scham lesen. Doch das wahrhaft Besch\u00e4mende ist, dass Sklaverei kein ausschliessliches Ph\u00e4nomen der Historie ist, auf das wir mit der Gewissheit zur\u00fcckblicken k\u00f6nnen, dass es der Vergangenheit angeh\u00f6rt. Sklaverei \u00fcberdauert jegliche <\/span><a href=\"https:\/\/www.humanrights.ch\/de\/ipf\/archiv\/international\/nachrichten\/moderne-formen-sklaverei\" rel=\"nofollow noopener\"><span style=\"font-weight: 400;\">nationalen und internationalen institutionellen Bem\u00fchungen der Eind\u00e4mmung<\/span><\/a><span style=\"font-weight: 400;\"> \u2013 vom eidgen\u00f6ssischen Sklavereiabkommen von 1926 zur Allgemeinen Erkl\u00e4rung der Menschenrechte (AEMR) der Vereinten Nationen bis hin zur Agenda 2030, in der das achte Sustainable Development Goal (SDG) die Forderung nach menschenw\u00fcrdiger Arbeit f\u00fcr alle impliziert. Nicht nur scheint heutige Leibeigenschaft sich dem rechtlichen Regelwerk zu entziehen &#8211; moderne Sklaverei ist verbreiteter denn je.<\/span><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><span style=\"font-weight: 400;\">Diese traurige Realit\u00e4t geht aus dem <\/span><a href=\"https:\/\/www.globalslaveryindex.org\/\" rel=\"nofollow noopener\"><span style=\"font-weight: 400;\">Global Slavery Index<\/span><\/a><span style=\"font-weight: 400;\"> hervor. \u00dcber 40 Millionen Menschen weltweit leben laut diesem Index unter sklaven\u00e4hnlichen Bedingungen. Auf Schweizer Territorium sind es \u00fcber 14\u2019000 &#8211; Zahlen die wegen der hohen Dunkelziffer um einiges h\u00f6her liegen d\u00fcrften. Aufgrund ihrer Bem\u00fchungen bei der Bek\u00e4mpfung heutiger Leibeigenschaft erh\u00e4lt die Schweiz die zweitbeste Bewertung weltweit. Dass das aber keine mit der Schulnote \u2018gut\u2019 gleichzusetzende Beurteilung sein sollte, auf der man sich zufrieden ausruhen kann, ist angesichts der Schwere des Sachverhaltes hoffentlich offensichtlich.\u00a0<\/span><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><span style=\"font-weight: 400;\">Moderne Sklaverei kann ganz <\/span><a href=\"https:\/\/www.humanrights.ch\/de\/ipf\/archiv\/international\/nachrichten\/moderne-formen-sklaverei\" rel=\"nofollow noopener\"><span style=\"font-weight: 400;\">verschiedene Formen<\/span><\/a><span style=\"font-weight: 400;\"> annehmen: sei es die Ausbeutung der Arbeitskraft im privaten Sektor &#8211; die Mehrheit davon Opfer der <\/span><a href=\"https:\/\/www.tdh.de\/was-wir-tun\/arbeitsfelder\/kinderarbeit\/schuldknechtschaft\/\" rel=\"nofollow noopener\"><span style=\"font-weight: 400;\">Schuldknechtschaft<\/span><\/a><span style=\"font-weight: 400;\"> (bei der ein Abh\u00e4ngigkeitsverh\u00e4ltnis dadurch entsteht, dass als Sicherheit f\u00fcr einen Kredit die eigene Arbeitskraft verpf\u00e4ndet wird) -, Menschenhandel zum Zweck der Zwangsprostitution, Kinderarbeit, Zwangsheirat oder die Rekrutierung von Kindersoldaten in Kriegsgebieten.\u00a0<\/span><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><span style=\"font-weight: 400;\">Auf <\/span><a href=\"https:\/\/www.aargauerzeitung.ch\/schweiz\/in-der-schweiz-leben-14000-moderne-sklaven-das-steckt-dahinter-132830805\" rel=\"nofollow noopener\"><span style=\"font-weight: 400;\">Schweizer Territorium<\/span><\/a><span style=\"font-weight: 400;\"> sind es vor allem Zwangsprostitution und -arbeit im Bausektor, in Hotel- und Gastronomiebetrieben, in der Landwirtschaft und in privaten Haushalten. Opfer sind vor allem Frauen und Minderj\u00e4hrige, h\u00e4ufig auf der Suche nach Asyl. Die erw\u00e4hnte hohe Dunkelziffer ist auch auf die m\u00fchevolle Identifikation von Opfern zur\u00fcckzuf\u00fchren. Oft haben diese Angst vor eventuellen Konsequenzen, misstrauen den \u00f6ffentlichen Beh\u00f6rden, f\u00fcrchten sich vor der Abschiebung in ihr Heimatland und sind finanziell und emotional von ihren Peinigern abh\u00e4ngig.\u00a0<\/span><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><span style=\"font-weight: 400;\">Entscheidend ist aber nicht ausschliesslich, was auf nationalem Territorium geschieht, sondern auch, was sich ausserhalb des Staatsgebietes im Auftrag Schweizer Unternehmen abspielt. Als Sitz zahlreicher Konzerne &#8211; Namen mit weltweitem Ruf &#8211; muss die Schweiz gegen\u00fcber der Achtung des vierten Artikels der AEMR Verantwortung tragen: dem Verbot von Zwangsarbeit und Sklaverei. Doch in den vergangenen Jahren kamen immer wieder Skandale rund um Schweizer Konzerne ans Licht.\u00a0<\/span><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><span style=\"font-weight: 400;\">So wird von <\/span><a href=\"http:\/\/dok.sonntagszeitung.ch\/2016\/crevetten\/\" rel=\"nofollow noopener\"><span style=\"font-weight: 400;\">\u00abCrevetten-Sklaven\u00bb in Thailand<\/span><\/a><span style=\"font-weight: 400;\"> gesprochen, die Shrimps produzieren, welche unter anderem bei der Migros und Aldi Suisse im Sortiment landen. In <\/span><a href=\"https:\/\/www.tagesanzeiger.ch\/ausland\/asien-und-ozeanien\/test-an-babys-in-indien-novartis-und-rochemedikamente-verwendet\/story\/20381981\" rel=\"nofollow noopener\"><span style=\"font-weight: 400;\">Indien wurden Babys als Versuchskaninchen f\u00fcr Novartis- und Roche-Medikamente missbraucht<\/span><\/a><span style=\"font-weight: 400;\">, der Konzern Glencore steht immer wieder wegen <\/span><a href=\"https:\/\/stories.publiceye.ch\/glencorebolivien\/\" rel=\"nofollow noopener\"><span style=\"font-weight: 400;\">menschenunw\u00fcrdigen Arbeitsbedingungen<\/span><\/a><span style=\"font-weight: 400;\"> am Pranger und Nestl\u00e9 wird seit Jahren der <\/span><a href=\"https:\/\/www.humanrights.ch\/de\/ipf\/menschenrechte\/wirtschaft\/nestle-angeklagt-zwangsarbeit\" rel=\"nofollow noopener\"><span style=\"font-weight: 400;\">Zwangsarbeit von Minderj\u00e4hrigen<\/span><\/a><span style=\"font-weight: 400;\"> bezichtigt.<\/span><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><span style=\"font-weight: 400;\">J\u00fcngst wurde nachgewiesen, dass <\/span><a href=\"https:\/\/www.infosperber.ch\/FreiheitRecht\/Ghana-Kinderarbeit-im-Kakauanbau-noch-gewachsen\" rel=\"nofollow noopener\"><span style=\"font-weight: 400;\">Kinderarbeit im Kakaosektor<\/span><\/a><span style=\"font-weight: 400;\"> sogar zugenommen hat und Nestl\u00e9 damit ihrer Beteuerung der Eind\u00e4mmung nicht nachkam. Und genau hier kommt die KOVI ins Spiel. Im Falle einer Annahme der Initiative w\u00fcrden jene Unternehmen f\u00fcr eventuelle Verletzungen von Menschenrechten und Umweltstandards rechtlich b\u00fcssen und justizfreie Zonen im Ausland nicht mehr f\u00fcr \u00f6konomische Zwecke ausgenutzt werden k\u00f6nnen. Zuletzt w\u00e4ren Unternehmen zur pr\u00e4ventiven Aufdeckung m\u00f6glicher Risiken und dem Ergreifen entsprechender Massnahmen im Rahmen sogenannter <\/span><a href=\"https:\/\/www.publiceye.ch\/fileadmin\/doc\/Konzernverantwortung\/Konzernverantwortungsinitiative_Sorgfaltspruefungspflicht_Factsheet.pdf\" rel=\"nofollow noopener\"><span style=\"font-weight: 400;\">Sorgfaltspr\u00fcfungen<\/span><\/a><span style=\"font-weight: 400;\"> verpflichtet.\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0<\/span><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><span style=\"font-weight: 400;\">Ich sehe eine doppelte Verantwortung der Schweiz im Einsatz f\u00fcr die endg\u00fcltige Abschaffung der Sklaverei: Die erste r\u00fchrt aus der Vergangenheit und ist eine, die nicht nur die Schweiz, sondern wohl den Grossteil westlicher Nationen betrifft, und eng mit der europ\u00e4ischen Kolonialgeschichte verkn\u00fcpft ist. Die zweite betrifft das Faktum der Schweiz als Standort global agierender Konzerne mit Produktionsst\u00e4tten im globalen S\u00fcden und Osten.<\/span><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><span style=\"font-weight: 400;\">Und immer, in der Vergangenheit wie auch heutzutage, geht es um unseren konsumorientierten Lebensstil, der die Sklaverei innerhalb und ausserhalb territorialer Grenzen f\u00f6rdert &#8211; individuell berechenbar mithilfe des <\/span><a href=\"http:\/\/slaveryfootprint.org\/\" rel=\"nofollow noopener\"><span style=\"font-weight: 400;\">Slavery Footprint<\/span><\/a><span style=\"font-weight: 400;\">. Denn zur Verantwortung der Schweiz als Nation kommt die Verantwortung jeder und jedes Einzelnen hinzu, indem wir zum einen auf unser eigenes Konsumverhalten achten und uns zum anderen auf politischer Ebene f\u00fcr entsprechende Massnahmen zur Eind\u00e4mmung dieses Unrechts starkmachen. Ein JA! zur KOVI w\u00e4re dabei ein Schritt in die richtige Richtung.<\/span><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Photo von <a href=\"https:\/\/pixabay.com\/de\/photos\/ketten-f%C3%BC%C3%9Fe-sand-bondage-gef%C3%A4ngnis-19176\/\" rel=\"nofollow noopener\">Pixabay<\/a>.<\/p>\n","protected":false},"featured_media":80154,"template":"","meta":{"_acf_changed":false},"archive-status":[],"region":[],"custom-themes":[],"class_list":["post-80153","blog-post","type-blog-post","status-publish","has-post-thumbnail","hentry"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/foraus.ch\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/blog-post\/80153","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/foraus.ch\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/blog-post"}],"about":[{"href":"https:\/\/foraus.ch\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/types\/blog-post"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/foraus.ch\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/media\/80154"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/foraus.ch\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=80153"}],"wp:term":[{"taxonomy":"archive-status","embeddable":true,"href":"https:\/\/foraus.ch\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/archive-status?post=80153"},{"taxonomy":"region","embeddable":true,"href":"https:\/\/foraus.ch\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/region?post=80153"},{"taxonomy":"custom-themes","embeddable":true,"href":"https:\/\/foraus.ch\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/custom-themes?post=80153"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}