{"id":80180,"date":"2021-03-08T17:11:12","date_gmt":"2021-03-08T16:11:12","guid":{"rendered":"https:\/\/foraus.ch\/blog-post\/die-schweiz-hat-den-dialog-und-die-kompromissfindung-in-der-dna-interview-mit-frank-gruetter\/"},"modified":"2026-05-27T11:21:50","modified_gmt":"2026-05-27T09:21:50","slug":"die-schweiz-hat-den-dialog-und-die-kompromissfindung-in-der-dna-interview-mit-frank-gruetter","status":"publish","type":"blog-post","link":"https:\/\/foraus.ch\/fr\/blog-post\/die-schweiz-hat-den-dialog-und-die-kompromissfindung-in-der-dna-interview-mit-frank-gruetter\/","title":{"rendered":"\u201dDie Schweiz hat den Dialog und die Kompromissfindung in der DNA\u201d: Interview mit Frank Gr\u00fctter."},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><i>Anl\u00e4sslich des 75-j\u00e4hrigen Bestehens der UNO ver\u00f6ffentlicht der forausblog zusammen mit der\u00a0<\/i><a href=\"https:\/\/www.schweiz-uno.ch\/\" rel=\"nofollow noopener\"><i>Gesellschaft Schweiz-ONU (GSUN)<\/i><\/a><i>\u00a0und\u00a0<\/i><a href=\"https:\/\/www.cinfo.ch\/de\" rel=\"nofollow noopener\"><i>cinfo<\/i><\/a><i>\u00a0eine Blogserie \u00fcber Schweizer Stimmen des Multilateralismus. Mit Interviews, die von jungen Autoren gef\u00fchrt werden, will der forausblog den Schweizerinnen und Schweizern, die im Kontakt mit der UNO-Welt stehen, eine Stimme geben.<\/i> <i>Frank war unter anderem in den Botschaften in London und Madrid sowie der UNO-Mission in New York t\u00e4tig, bevor er zum Chef der Abteilung UNO wurde. Im Gespr\u00e4ch blickt der Botschafter auf seine \u00fcber zwanzigj\u00e4hrige Erfahrung im EDA zur\u00fcck:<\/i><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><b><i>Resmy und Ladina: <\/i><\/b><i>Der angestrebte Sitz der Schweiz im UNO-Sicherheitsrat f\u00fcr die Jahre 2023 und 2024 wird derzeit rege diskutiert. Weshalb soll die Schweiz Ihrer Meinung nach in den Sicherheitsrat?<\/i><b><i>\u00a0<\/i><\/b><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><b>Frank Gr\u00fctter:<\/b> Die Schweiz erh\u00e4lt durch den Einsitz in den Sicherheitsrat eine zus\u00e4tzliche Einflussm\u00f6glichkeit in der internationalen Politik und kann auf diese Weise die Schweizer Interessen und Werte im wichtigsten UNO-Gremium f\u00fcr Frieden und Sicherheit einbringen. Die aussenpolitische Stimme der Schweiz wird dadurch bedeutend an Gewicht gewinnen. Man muss auch bedenken, dass die Entscheidungen des Sicherheitsrats verbindlich sind, unabh\u00e4ngig davon, ob man Mitglied ist oder nicht. Durch einen Einsitz erh\u00e4lt die Schweiz mehr Mitbestimmungsm\u00f6glichkeiten, gewinnt aussenpolitisch an Schlagkraft \u2013 und wenn wir gute Arbeit leisten \u2013 k\u00f6nnen wir unser Ansehen nachhaltig steigern. Auch bin ich davon \u00fcberzeugt, dass uns das Kontaktnetz in New York grosse Vorteile bringen wird und dies \u00fcber die zwei Jahre Mitgliedschaft hinaus.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><i>Inwiefern kann die Schweiz auch tats\u00e4chlich Einfluss im Sicherheitsrat nehmen, wenn man das Vetorecht der st\u00e4ndigen Mitglieder und deren Machtpolitik in Betracht zieht?\u00a0\u00a0<\/i><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><b>FG: <\/b>Die st\u00e4ndigen Mitglieder des Sicherheitsrates geniessen eine privilegierte Stellung aufgrund des Vetorechts und ihres institutionellen Knowhows, das sie in mehr als 75 Jahren Sicherheitsratsmitgliedschaft aufbauen konnten. Jedoch spielen die nicht-st\u00e4ndigen\u00a0 Mitglieder des Sicherheitsrats auch eine wesentliche Rolle. Schliesslich erfordert ein Beschluss des Sicherheitsrats die Zustimmung von mindestens neun Mitgliedern. Ein Blick in die Vergangenheit best\u00e4tigt die Wichtigkeit dieser Mitglieder. So ist die grenz\u00fcberschreitende humanit\u00e4re Hilfe in der Syrienkrise und auch\u00a0 diverse thematische Resolutionen, so zum Beispiel zum Schutz von medizinischem Personal in Konfliktgebieten, auf Initiativen von gew\u00e4hlten Mitgliedern zur\u00fcckzuf\u00fchren. Weiter sehe ich die friedenspolitische Expertise eines Landes und die F\u00e4higkeit, sich mit anderen Mitgliedern zusammenzutun, als entscheidende Faktoren f\u00fcr die Einflussm\u00f6glichkeit eines Landes. Wenn es uns gelingt, die eigene Expertise in die Diskussionen in New York einzubringen und wir unsere St\u00e4rke, n\u00e4mlich dass wir integrativ wirken k\u00f6nnen, in den Rat tragen, dann\u00a0 haben wir gute Einflussm\u00f6glichkeiten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><i>Wo sehen Sie die Besonderheiten der Rolle der Schweiz in der UNO und im multilateralen System? Was k\u00f6nnen wir beitragen?<\/i><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><b>FG: <\/b>Es ist eine Kombination von verschiedenen Elementen, die die Schweiz ausmacht. Zum einen sind wir aussenpolitisch vielseitig interessiert und verfolgen in der UNO ein breites Spektrum an T\u00e4tigkeiten, in denen wir auch ein grosses Knowhow besitzen.\u00a0 Dies haben wir nicht zuletzt unserem breiten Botschaftsnetz und unseren guten Universit\u00e4ten zu verdanken. Zum anderen glaube ich, dass wir den Dialog und die Kompromissfindung in unserer DNA haben. Das geh\u00f6rt stark zu uns Schweizer*innen und erm\u00f6glicht uns, pragmatisch und unvoreingenommen an Probleme heranzugehen. Wir sind auch ein solidarisches Land, das bereit ist, seinen Beitrag zur L\u00f6sung globaler Probleme zu leisten. Schliesslich bildet das Internationale Genf eine Besonderheit. In Genf gibt es momentan 39 internationale Organisationen, 177 ausl\u00e4ndische Missionen und \u00fcber 400 NGOs. Diese hohe Dichte an Organisationen und Knowhow ist einmalig und ein Erfolgsfaktor f\u00fcr unsere Aussenpolitik.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><i>Welche Ziele setzen Sie sich in der internationalen Zusammenarbeit und wie wollen Sie diese konkret erreichen?\u00a0<\/i><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><b>FG:<\/b> Als Zielvorgabe dient zum einen die aussenpolitischen Strategie 2020-2023 mit ihren vier Schwerpunktthemen (Frieden und Sicherheit, Wohlstand, Nachhaltigkeit, Digitalisierung). Zum anderen verabschiedet der Bundesrat jedes Jahr spezifische UNO-Priorit\u00e4ten. Wenn man dieses Jahr anschaut, dann ist die Bew\u00e4ltigung der Folgen von Covid-19 eine klare Priorit\u00e4t. Hier haben wir uns stark daf\u00fcr eingesetzt, dass sich die UNO und ihre Organe virtuell treffen und Beschl\u00fcsse fassen k\u00f6nnen. Zudem leisten wir humanit\u00e4re und anderweitige Hilfe f\u00fcr die L\u00e4nder, welche aufgrund von Covid-19 mit starken sozio\u00f6konomischen Problemen zu k\u00e4mpfen haben. Wir haben uns ebenfalls an der \u201cCovax facility\u201d beteiligt, welche mithelfen soll, die Impfungen auf der Welt gerechter zu verteilen. Generell kann man sagen, dass es nicht ein einziges Instrument gibt, um die aussenpolitischen Ziele zu erreichen. Unsere St\u00e4rke ist, dass wir flexibel und mit einem koordinierten Einsatz von verschiedenen Instrumenten versuchen, die Vorgaben der aussenpolitischen Strategie umzusetzen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><i>Welche Erfahrung in Ihrer Karriere hat Sie pers\u00f6nlich am st\u00e4rksten gepr\u00e4gt?\u00a0<\/i><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><b>FG: <\/b>Im R\u00fcckblick auf die letzten 22 Jahre kommt mir die Zeit in New York in den Sinn. Ich war von 2004 bis 2008 auf der Schweizer Mission in New York auf Posten, also genau zwei Jahre nach dem Vollbeitritt der Schweiz zur UNO. Es war eine einmalige Erfahrung, da wir frisch dabei und hochmotiviert waren, mehr Schweiz in die UNO zu tragen. Diese Zeit hat mir die UNO-Welt ge\u00f6ffnet und sicherlich meine beruflichen Weichen ein St\u00fcck weit gestellt. Ich habe heute noch etliche Freunde und Bekannte von damals, die gr\u00f6sstenteils ausl\u00e4ndische Diplomat*innen sind. Wir kennen uns nun schon seit vielen Jahren und treffen beruflich hin und wieder aufeinander. Diese Kontakte machen einem Freude und sind auch f\u00fcr meine Arbeit sehr n\u00fctzlich.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Photo copyright: Frank Gr\u00fctter<\/p>\n","protected":false},"featured_media":68726,"template":"","meta":{"_acf_changed":false},"archive-status":[],"region":[],"custom-themes":[1823],"class_list":["post-80180","blog-post","type-blog-post","status-publish","has-post-thumbnail","hentry","custom-themes-volkerrecht-multilateralismus"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/foraus.ch\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/blog-post\/80180","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/foraus.ch\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/blog-post"}],"about":[{"href":"https:\/\/foraus.ch\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/types\/blog-post"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/foraus.ch\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/media\/68726"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/foraus.ch\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=80180"}],"wp:term":[{"taxonomy":"archive-status","embeddable":true,"href":"https:\/\/foraus.ch\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/archive-status?post=80180"},{"taxonomy":"region","embeddable":true,"href":"https:\/\/foraus.ch\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/region?post=80180"},{"taxonomy":"custom-themes","embeddable":true,"href":"https:\/\/foraus.ch\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/custom-themes?post=80180"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}