{"id":80188,"date":"2021-06-05T07:00:24","date_gmt":"2021-06-05T05:00:24","guid":{"rendered":"https:\/\/foraus.ch\/blog-post\/eine-landwirtschaft-fuer-alle-heute-und-in-der-zukunft\/"},"modified":"2026-05-27T11:21:52","modified_gmt":"2026-05-27T09:21:52","slug":"eine-landwirtschaft-fuer-alle-heute-und-in-der-zukunft","status":"publish","type":"blog-post","link":"https:\/\/foraus.ch\/fr\/blog-post\/eine-landwirtschaft-fuer-alle-heute-und-in-der-zukunft\/","title":{"rendered":"Eine Landwirtschaft f\u00fcr Alle \u2013 Heute und in der Zukunft"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><i>Am 13. Juni stimmen wir \u00fcber die Pestizid- und die Trinkwasserinitiative ab. Die Fronten sind verh\u00e4rtet. Die Gegner *innen wollen die heutige Schweizer Landwirtschaft sch\u00fctzen \u2013 die Bef\u00fcrworter*innen deren Fortbestand und unsere Zukunft.<\/i><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nach eigenen Angaben f\u00e4hrt der Bauernverband momentan die gr\u00f6sste Kampagne in seiner Geschichte. Auf dem Spiel steht der Status quo der heutigen Schweizer Landwirtschaft. Bedroht sieht ihn der Verband schon lange. Darum schl\u00e4gt im Parlament Ver\u00e4nderungsvorschl\u00e4gen aller Art heftiger Widerstand entgegen. Manchmal war dieser erfolgreich, wie etwa bei der sistierten Agrarpolitik f\u00fcr die n\u00e4chsten Jahre, der <a href=\"https:\/\/www.blw.admin.ch\/blw\/de\/home\/politik\/agrarpolitik\/ap22plus.html\" rel=\"nofollow noopener\">AP22+<\/a>. Manchmal hat es f\u00fcr eine Abschw\u00e4chung gereicht, wie bei der parlamentarischen Initiative \u201eDas Risiko beim Einsatz von Pflanzenschutzmitteln reduzieren.\u201c Mit genau dieser Strategie wird nun seit Jahren verhindert, dass sich in der Landwirtschaftspolitik etwas bewegt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Doch ist es \u00fcberhaupt berechtigt, \u00fcberhaupt gerecht, sich dem Wandel derart zu verweigern? Um diese Frage zu beantworten lohnt sich ein Blick auf die Klimadebatte in Deutschland. Dort hat das Bundesverfassungsgericht einen <a href=\"https:\/\/www.bundesverfassungsgericht.de\/SharedDocs\/Pressemitteilungen\/DE\/2021\/bvg21-031.html\" rel=\"nofollow noopener\">viel beachteten Entscheid<\/a> getroffen. Es gab einer eingereichten Klage recht, indem es best\u00e4tigte: Das erarbeitete CO2 Gesetz ist verfassungswidrig, weil es dazu f\u00fchrt, dass kommenden Generationen ungleich viel mehr aufgeb\u00fcrdet wird, um das anerkannte Ziel Netto Null bis 2050 zu erreichen, als den heutigen Generationen. Die Vers\u00e4umnisse der heutigen Generationen \u2013 inklusive entstehende Folgekosten \u2013 den kommenden Generationen aufzuladen ist also ungerecht. Das gilt f\u00fcr das Klima, aber das gilt eben auch f\u00fcr die Landwirtschaft. Denn auch hier geht es darum unsere Produktions- und Lebensgrundlagen so zu erhalten, dass die zuk\u00fcnftige Versorgung von uns und kommenden Generationen nicht eingeschr\u00e4nkt wird.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dass aber genau das geschehen wird, wenn wir einfach so weitermachen wie bisher, das ist wissenschaftlicher Konsens. Sogar Christian Hofer, Direktor des Bundesamtes f\u00fcr Landwirtschaft, sagt in einem <a href=\"https:\/\/www.nzz.ch\/schweiz\/corona-die-landwirtschaft-wird-gestaerkt-aus-der-krise-gehen-ld.1556831?reduced=true\" rel=\"nofollow noopener\">Interview mit der NZZ<\/a> im Mai 2020: \u201eWenn die Landwirtschaft so intensiv weiterproduziert wie heute, ist die Versorgungssicherheit mittel- und l\u00e4ngerfristig gef\u00e4hrdet\u201c. Auch die Folgekosten, die durch die heutige Art der intensiven Produktion entstehen, sind inzwischen mehrfach beziffert, zuletzt von <a href=\"https:\/\/ethz.ch\/content\/dam\/ethz\/special-interest\/dual\/worldfoodsystemcenter-dam\/documents\/MScThesis-AlessaPerotti-TheTrueCostofFood.pdf\" rel=\"nofollow noopener\">Alessa Perotti in ihrer Masterarbeit<\/a> an der ETH Z\u00fcrich. Sie sagt, dass f\u00fcr jeden Franken den wir f\u00fcr Lebensmittel ausgeben mindestens 90 Rappen externe Kosten (Gesundheitskosten, Kosten f\u00fcr Trinkwasseraufbereitungsanlagen, usw.) hinzukommen. Insgesamt w\u00e4ren das j\u00e4hrlich 70 Milliarden Franken, die uns die Lebensmittel kosten, statt der heutigen 37 Milliarden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Doch woran wird eigentlich festgehalten? Wozu diesen Status quo so bis aufs Blut verteidigen, wenn es sonnenklar ist, dass es Ver\u00e4nderung braucht und vor allem, dass sie m\u00f6glich ist? Ins Feld gef\u00fchrt werden Argumente wie die Gef\u00e4hrdung der Inlandversorgung oder eine zunehmende Abh\u00e4ngigkeit von Importen. Dabei w\u00fcrden das Ziel einer hohen Inlandversorgung eigentlich erstaunlich gut mit den Zielen der beiden Initiativen \u00fcbereinstimmen. Nicht nur, weil durch den hohen Pestizideinsatz wichtige Produktionsgrundlagen wie fruchtbare B\u00f6den, sauberes Wasser und eine reiche Biodiversit\u00e4t gef\u00e4hrdet werden. Auch weil wir heute \u00e4usserst ineffizient produzieren. Eine <a href=\"https:\/\/www.agroscope.admin.ch\/agroscope\/de\/home\/publikationen\/suchen\/agroscope-science\/_jcr_content\/par\/externalcontent.external.exturl.html\/aHR0cHM6Ly9pcmEuYWdyb3Njb3BlLmNoL2RlLUNIL1B1Ymxpa2\/F0aW9uP2VpbnplbHB1Ymxpa2F0aW9uSWQ9MzgxNjgmcGFyZW50\/VXJ\" rel=\"nofollow noopener\">Studie von Agroscope<\/a>, der landwirtschaftlichen Forschungsanstalt des Bundes, zeigt:\u00a0 mit weniger Tieren, einer pflanzenbasierten Ern\u00e4hrung und einer Reduktion des Foodwaste k\u00f6nnte der Versorgungsgrad sogar erh\u00f6ht werden. Es gibt also bessere Modelle als heute, in denen die Umwelt geschont, die Versorgung kurz- und langfristig gesichert, die Folgekosten tief gehalten und die produzierten Lebensmittel gesund und vielf\u00e4ltig w\u00e4ren.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Also nochmals: Wer will, dass alles so bleibt wie es ist, wenn die L\u00f6sungen schon da sind? Dahinter stehen \u2013 \u00e4hnlich wie in der Klimadebatte \u2013 m\u00e4chtige finanzielle Interessen: das Gesch\u00e4ftsmodell der Futtermittel-, Saatgut-, D\u00fcngemittel-, Pestizid- und Maschinenimporteure ist auf intensive Produktion angewiesen. Kein Wunder setzen sie alles daran, dass sich nichts \u00e4ndert.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In den Vordergrund geschoben werden aber stattdessen ganz gezielt das Unwohlsein und die \u00c4ngste, die die Initiativen in b\u00e4uerlichen Kreisen ausl\u00f6sen. Denn obwohl sich auch dort viele Bef\u00fcrworter*innen insbesondere der Pestizid-Initiative finden, f\u00fchlen sich wohl viele in der Landwirtschaft T\u00e4tige durch die Initiativen bevormundet und in ihrem Berufsstolz verletzt.\u00a0 Das ist schade, denn die Bevormundung k\u00f6nnte man auch darin sehen, dass ihnen die Bew\u00e4ltigung des Wandels nicht zugetraut wird und ihnen vorgegaukelt wird, er liesse sich verhindern. Die Frage ist doch vielmehr, ob wir es schaffen, die Verantwortung f\u00fcr den Wandel gerecht zu verteilen. Denn betroffen sein werden wir alle. Ein erster Schritt w\u00e4re, den gemeinsamen Entscheid zu f\u00e4llen: Ja, diese Art von Landwirtschaft wollen wir in zehn Jahren haben \u2013 und den Weg dorthin werden wir alle <a href=\"https:\/\/www.landwirtschaftmitzukunft.ch\/gemeinsam-gehen\" rel=\"nofollow noopener\">#gemeinsamgehen<\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Photo credits:<span class=\"_1K5LX _1ByhS\">\u00a0<a href=\"https:\/\/unsplash.com\/@llarissa?utm_source=unsplash&amp;utm_medium=referral&amp;utm_content=creditCopyText\" rel=\"nofollow noopener\">Larissa .<\/a> on <a href=\"https:\/\/unsplash.com\/?utm_source=unsplash&amp;utm_medium=referral&amp;utm_content=creditCopyText\" rel=\"nofollow noopener\">Unsplash<\/a> <\/span><\/p>\n","protected":false},"featured_media":80189,"template":"","meta":{"_acf_changed":false},"archive-status":[],"region":[],"custom-themes":[],"class_list":["post-80188","blog-post","type-blog-post","status-publish","has-post-thumbnail","hentry"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/foraus.ch\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/blog-post\/80188","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/foraus.ch\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/blog-post"}],"about":[{"href":"https:\/\/foraus.ch\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/types\/blog-post"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/foraus.ch\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/media\/80189"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/foraus.ch\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=80188"}],"wp:term":[{"taxonomy":"archive-status","embeddable":true,"href":"https:\/\/foraus.ch\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/archive-status?post=80188"},{"taxonomy":"region","embeddable":true,"href":"https:\/\/foraus.ch\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/region?post=80188"},{"taxonomy":"custom-themes","embeddable":true,"href":"https:\/\/foraus.ch\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/custom-themes?post=80188"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}