{"id":80213,"date":"2021-09-23T12:30:21","date_gmt":"2021-09-23T10:30:21","guid":{"rendered":"https:\/\/foraus.ch\/blog-post\/die-who-ist-die-weltfeuerwehr-interview-mit-gaudenz-silberschmidt\/"},"modified":"2026-05-27T11:21:56","modified_gmt":"2026-05-27T09:21:56","slug":"die-who-ist-die-weltfeuerwehr-interview-mit-gaudenz-silberschmidt","status":"publish","type":"blog-post","link":"https:\/\/foraus.ch\/fr\/blog-post\/die-who-ist-die-weltfeuerwehr-interview-mit-gaudenz-silberschmidt\/","title":{"rendered":"\u00abDie WHO ist die Weltfeuerwehr!\u00bb: Interview mit Gaudenz Silberschmidt."},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Anl\u00e4sslich des 75-j\u00e4hrigen Bestehens der UNO ver\u00f6ffentlicht der forausblog zusammen mit der\u00a0<\/em><a href=\"https:\/\/www.schweiz-uno.ch\/\" rel=\"nofollow noopener\"><em>Gesellschaft Schweiz-ONU (GSUN)<\/em><\/a><em>\u00a0und\u00a0<\/em><a href=\"https:\/\/www.cinfo.ch\/de\" rel=\"nofollow noopener\"><em>cinfo<\/em><\/a><em>\u00a0eine Blogserie \u00fcber Schweizer Stimmen des Multilateralismus. <\/em><em>Mit Interviews, die von jungen Autoren gef\u00fchrt werden, will der forausblog den Schweizerinnen und Schweizern, die im Kontakt mit der UNO-Welt stehen, eine Stimme geben.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Gaudenz Silberschmidt<\/strong> ist der Direktor der Abteilung\u00a0Health and Multilateral Partnerships\u00a0der Weltgesundheitsorganisation (WHO)\u2014ein Interview.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Lukas Plattner: <\/strong>Herr Silberschmidt, k\u00f6nnen Sie uns schildern, wie Sie zum Direktor der Abteilung\u00a0<em>Health and Multilateral Partnerships<\/em>\u00a0der Weltgesundheitsorganisation (WHO) wurden?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Gaudenz Silberschmidt: <\/strong>\u00a0Ich bin im Kanton Z\u00fcrich aufgewachsen, habe in Lausanne und Z\u00fcrich Medizin studiert und danach mehrere Jahre als Assistenzarzt gearbeitet. Anschliessend habe ich beim <em>Schweizerischen Tropen- und Public-Health-Institut <\/em>in Basel mein Interesse an Multilateralismus entdeckt und dann ein Zweitstudium in Staatswissenschaften (Internationalen Beziehungen) in St. Gallen und Genf absolviert. Bei der allerersten Klimakonferenz in Berlin, an der ich als NGO-Vertreter teilgenommen habe, kam ich mit den Internationalen\u00a0 \u00c4rztinnen und \u00c4rzte f\u00fcr die Umwelt in Kontakt, wo ich dann als Exekutivdirektor eingestellt wurde. Ein paar Jahre sp\u00e4ter \u00fcbernahm ich die Leitung der Abteilung Internationales im Bundesamt f\u00fcr Gesundheit (BAG). Durch meine T\u00e4tigkeit im Aufbau der Schweizer Gesundheitsaussenpolitik und durch die enge Zusammenarbeit mit dem EDA wurde ich anschliessend zum ersten Schweizer Botschafter f\u00fcr globale Gesundheit ernannt. Die Schweiz war dazumal erst das weltweit zweite Land, welches solch einen Botschafterposten schuf. Vor neun Jahren habe ich auf Anfrage der damaligen Generaldirektorin Margaret Chan ins Sekretariat der WHO gewechselt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>K\u00f6nnen Sie uns kurz erkl\u00e4ren, was die WHO ist? <\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die WHO ist die UNO-Sonderagentur f\u00fcr Gesundheit und hat ein sehr vision\u00e4res und breites Mandat. Einerseits sind wir die Agentur, die Normen und Standards im Gesundheitsbereich festlegt. Hier geht es zum Beispiel um die internationale Klassifizierung von Krankheiten, um die Liste der essenziellen\u00a0 Medikamente, aber auch um Luftverschmutzung und Standards im Bereich der Herstellung und Verarbeitung von Lebensmitteln. Zus\u00e4tzlich sind wir auch eine Entwicklungsagentur mit B\u00fcros in \u00fcber 150 L\u00e4ndern, wo wir die technische Zusammenarbeit f\u00f6rdern und die Entwicklung der Gesundheitssysteme vorantreiben. Und schliesslich sind wir die Weltfeuerwehr. Ob bei einem Tsunami oder bei einer Pandemie, die WHO untersucht gesundheitliche Notst\u00e4nde und unterst\u00fctzt die L\u00e4nder bei der Krisenbew\u00e4ltigung. Dieses enorm breite Mandat mit einem l\u00e4cherlich kleinen Budget von knapp 3 Milliarden Dollar j\u00e4hrlich zu erf\u00fcllen, ist eine grosse Herausforderung. Meine Abteilung ist zust\u00e4ndig f\u00fcr die multilateralen Kontakte der WHO. Dazu organisieren wir die Zusammenarbeit mit dem Privatsektor, NGOs, Parlamenten, Partnerschaften und internationalen Organisationen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Was war das eindr\u00fccklichstes Erlebnis Ihrer Karriere?<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Einen Monat nachdem ich beim BAG begonnen hatte, erlebten wir 2003 den H\u00f6hepunkt der Sars-Epidemie. Die Epidemie mit 800 Toten und rund 60 Milliarden Dollar wirtschaftlichem Schaden war f\u00fcr die internationale Gemeinschaft ein Warnschuss. Es wurde allen klar, dass die internationalen Gesundheitsvorschriften der WHO \u00fcberarbeitet und gest\u00e4rkt werden mussten. Bei der folgenden Revision dieser Vorschriften war ich Verhandlungsleiter auf Schweizer Seite. Da Gesundheit noch keinen so zentralen Stellenwert in der Diplomatie innehatte, hatte ich als sehr junger Verhandler das Privileg, zwischen China und Taiwan und zwischen dem Iran und der USA zu vermitteln. Im ersten Fall ging es darum, wie die praktische Kooperation zwischen Taiwan und der WHO angesichts der Ein-China Politik zu gestalten sei. Im zweiten Fall sollte sichergestellt werden, dass alle Gesundheitsbedrohung, ob sie nun nat\u00fcrlich auftreten oder nicht, von den Vorschriften abgedeckt sind. Anschliessend pr\u00e4sidierte ich auch die Redaktionsgruppe, welche die Resolution der Weltgesundheitsversammlung zur Verabschieding der internationalen Gesundheitsvorschriften verhandelte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Der WHO wird vorgeworfen zu sp\u00e4t auf die Covid-19-Pandemie reagiert zu haben und zu freundlich mit China umgegangen zu sein. Was entgegnen Sie auf solche Vorw\u00fcrfe?<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die WHO besteht aus den 194 Mitgliedsstaaten, die von einem Sekretariat unterst\u00fctzt werden. Dementsprechend sind Entscheider der WHO immer die Entscheide der Mitgliedsstaaten und das Sekretariat kann nicht selbst\u00e4ndig handeln. Dazu sind wir eine globale Organisation und m\u00fcssen daher mit allen Mitgliedsstaaten zusammenarbeiten. Intern hat ein Gremium die Krisenbew\u00e4ltigung der WHO untersucht und einen Kritikpunkt identifiziert: Die WHO hat den internationalen Gesundheitsnotstand eine Woche zu sp\u00e4t ausgerufen. Diese Kritik ist zu einem gewissen Grad gerechtfertigt, jedoch muss man auch bedenken, dass manche L\u00e4nder selbst zwei Monate sp\u00e4ter noch nicht auf die Empfehlungen der WHO reagiert haben. Die Frage, ob die WHO zu eng mit China zusammengearbeitet hat, entspricht einer grunds\u00e4tzlichen Frage des Multilateralismus. Wie eng muss oder darf eine UN-Organisation mit gewissen Mitgliedsstaaten zusammenarbeiten, um ein Minimum von Informationsaustausch und Kooperation zu gew\u00e4hrleisten? Man k\u00f6nnte auch fragen, was wohl passiert w\u00e4re, wenn die WHO auf zu viel Distanz mit China gegangen w\u00e4re.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Expert:innen warnen davor, dass das Auftreten einer n\u00e4chsten globalen Pandemie nur eine Frage der Zeit ist. Was muss nun getan werden?<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Alle Expert:innen wissen, dass Pandemien zur Menschheit geh\u00f6ren. Das war schon immer so und wird auch immer so sein. Die \u00dcberraschung war daher nicht die Pandemie an sich, sondern wie schlecht und unkoordiniert die internationale Gemeinschaft reagiert hat. Die Frage ist nun, ob wir daraus gelernt haben und uns gut auf die n\u00e4chste Pandemie vorbereiten. Eine solche Vorbereitung kostet jedoch Geld. Momentan ist eine Pandemievorbereitungskonvention geplant und wir werden dann sehen, ob die Regierungen bereit sind, die n\u00f6tigen Anpassungen und Investitionen zu leisten, um die WHO f\u00fcr die n\u00e4chste Pandemie mit gen\u00fcgend Ressourcen auszustatten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Was braucht es f\u00fcr eine Karriere bei der UNO?<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Offenheit, eine solide Ausbildung, breite Erfahrung, Engagement und schliesslich Flexibilit\u00e4t, um die diversen M\u00f6glichkeiten zu nutzen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"featured_media":68754,"template":"","meta":{"_acf_changed":false},"archive-status":[],"region":[],"custom-themes":[1823],"class_list":["post-80213","blog-post","type-blog-post","status-publish","has-post-thumbnail","hentry","custom-themes-volkerrecht-multilateralismus"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/foraus.ch\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/blog-post\/80213","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/foraus.ch\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/blog-post"}],"about":[{"href":"https:\/\/foraus.ch\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/types\/blog-post"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/foraus.ch\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/media\/68754"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/foraus.ch\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=80213"}],"wp:term":[{"taxonomy":"archive-status","embeddable":true,"href":"https:\/\/foraus.ch\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/archive-status?post=80213"},{"taxonomy":"region","embeddable":true,"href":"https:\/\/foraus.ch\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/region?post=80213"},{"taxonomy":"custom-themes","embeddable":true,"href":"https:\/\/foraus.ch\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/custom-themes?post=80213"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}