Wladimir Putins Rede am
diesjährigen Treffen des Waldai Diskussionsklub in Sotschi stiess vielen westlichen Ländern sauer auf. Darin beschuldigte er die USA mit ihrer unilateralen Politik und der Einmischung in die inneren Angelegenheiten anderer Länder viel Instabilität in die Welt gebracht zu haben. Gleichzeitig machte er klar, dass Russland seine eigenen Interessen ohne Rücksicht auf Verluste verfolgen würde. Wieder einmal unterstrich Putin, dass Russland eine Grossmacht sei, welcher man besser nicht im Wege steht.
Als Grossmacht gehört es sich eine eigene Interessenssphäre zu haben. Im Sommer 2008, im Anschluss an den Georgien-Krieg, definierte der damalige Präsident Medwedew die fünf Prinzipien der russischen Aussenpolitik. Eines davon besagte, dass es für Russland Regionen gebe, in denen es „privilegierte Interessen“ habe. Wenig später, in einer
Rede beim Council on Foreign Relations, erklärte Medwedew genauer, was damit gemeint war: Es handle sich bei dieser Region um Länder, mit welchen Russland historisch verbunden sei, mit welchen Russland Seite an Seite lebe und welche ehemals Teil der Sowjetunion waren. Es ist natürlich klar, dass Russland auf Grund seiner Geschichte und Geographie einen engen Bund mit diesen Ländern hat. Seit dem Zusammenbruch der Sowjetunion geniesst die regionale Integration mit diesen Staaten einen hohen Stellenwert in der russischen Aussenpolitik.
Eurasische Integration
In einem
Artikel für die russische Zeitung Izvestia im Oktober 2011 entwarf Putin das Projekt einer neuen regionalen Organisation, der Eurasischen Union. Die Idee einer solchen Union stand bereits 20 Jahre im Raum, nachdem sie vom Präsidenten Kasachstans Nasarbajew vorgeschlagen wurde. Auch mangelt es nicht an Vorgängerorganisationen: Seit Januar 2010 gibt es eine Zollunion zwischen Russland, Kasachstan und Weissrussland und im Mai 2011 wurde die Eurasische Wirtschaftsgemeinschaft ins Leben gerufen, der die obengenannten Staaten plus Tadschikistan, Kirgistan und Usbekistan (von 2006 bis 2008) angehörten.
Putins Vorschlag war ambitionierter. Sein Ziel ist eine mächtige supranationale Vereinigung zu gründen, die sich zu einem der Pole der modernen Welt entwickelt und gleichzeitig als Brücke zwischen Europa und dem asiatisch-pazifischem Raum dient. In seinem Artikel definierte Putin die Eurasische Union als ein Teil Grosseuropas und als ein offenes Projekt in dem alle Partner – vor allem die GUS-Länder – willkommen seien.
Dieses Jahr nun haben sich drei Länder zur Gründung der Union zusammengefunden: Russland, Kasachstan und Weissrussland. Am 29. Mai trafen sich deren Staatschefs in Astana um das Gründungsdokument der Eurasischen Wirtschaftsunion zu unterzeichnen, welche per 1. Januar 2015 in Kraft treten soll. Ähnlich der EU, soll die Eurasische Union eine Wirtschaftskommission haben (mit Sitz in Moskau), als auch einen Gerichtshof (in Minsk) und zu einem späteren Zeitpunkt eine Regulierungsbehörde (in Astana). An einem weiteren Treffen am 10. Oktober in Minsk wurde die Aufnahme Armeniens in die Union beschlossen. Kirgistan gilt als weiterer Beitrittskandidat.