Nach dem Zerfall der Sowjetunion blieben 15 Teilrepubliken, Russland und 14 kleinere Staaten, die alle den Namen der dortigen Bevölkerungsmehrheit tragen. Die grösste dieser kleinen Republiken ist die Ukraine. Wie in vielen anderen Republiken leben dort die namensgebende Gruppe, die Ukrainer, und ethnische Minderheiten, welche etwa eine Viertel der Bevölkerung ausmachen.
Unter Historikern besteht zunehmend Einigkeit, dass es nicht die ethnischen und kulturellen Spannungen innerhalb der Sowjetunion waren, die zum Zerfall geführt hatten, sondern eine lähmende Günstlingswirtschaft, die sich seit
Breschnews Zeiten einzuschleichen begann. Als die Sowjetunion zerfiel war sie bankrott. Ihre Wirtschaft wurde von klientelistischen Strukturen gelenkt. Jeder Versuch die Eliten der einzelnen Republiken zu disziplinieren, wurde damit beantwortet, dass diese ihre Klientel entlang ethnischer und sprachlicher Linien gegen das Zentrum mobilisierten. Die Union zerfiel. Die Günstlingswirtschaft blieb. In einigen Nachfolgestaaten wurden die Patronagenetzwerke so stark zentralisiert, dass eine neue, undemokratische Form der Stabilität entstand. Russland und Kasachstan sind Beispiele dafür. In anderen Republiken, in Georgien und der Ukraine etwa, wurden die Patronagenetzwerke nie zentralisiert. Sie zerfielen in kleinere Klüngel. In der Ukraine ist dies auf der einen Seite die Schwerindustrie im Osten und Süden des Landes, die zu Sowjetzeiten direkt nach Moskau rapportierte, zum anderen kleinere marktwirtschaftlich orientierte Strukturen, die sich in Kiev konzentrierten. Der erste Klüngel hat als Mobilisierungsstartegie gerne die russische Sprache und ein russlandzentrisches Geschichtsbild verwendet. Der zweite Klüngel liebeäugelte schon seit der Perestroika mit verschiedenen Abstufungen von ukrainischem Nationalismus.