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Aufruhr im Paradies“ hiess ein Buch, das die sozialen Verlustängste und den Futterneid eines zur Kleinlichkeit neigenden Mittelstandes schon rasch nach der letzten politischen Bestätigung der Personenfreizügigkeit erstmals formulierte und die Grundlage mit vorbereitete für die grosse Akzeptanz der ECOPOP- und Masseneinwanderungsinitiative. Schon der Titel des Buches enthält einen wichtigen Fehler: Er verwechselt das Paradies mit der Schlange. John Maynard Keynes teilte die Rollen gerade umgekehrt zu: Gesichert wird das Paradies der ökonomischen Möglichkeiten und der persönlichen Freiheit von Institutionen der internationalen wirtschaftlichen Integration und die Schlange in ihm ist der Protektionismus und Partikularismus. In seinem Paradies sind die Auslöser dieser Umkehrversuche der Globalisierung privilegierte Gruppen, denen durch die ökonomische und rechtliche Emanzipation neuer Konkurrenten die Gemütlichkeit abhanden gekommen ist. Soweit die Einrichtung eines Paradieses auf Erden aber möglich ist, geht dies nur durch Maximierung individueller Handlungsmöglichkeiten, was insbesondere auch eine freiheitlich organisierte Migration mit einschliesst. Das gilt auch für das kleine Paradieschen Schweiz. Die vermeintliche Alternative zur Integration in einen globalen Markt (zu dem zunehmend auch ein globaler Arbeitsmarkt zählen wird) bedeutet nicht mehr materielle Sicherheit, sondern Stillstand, Durchschnittlichkeit und Langeweile.
Rückschläge aus Überheblichkeit
Es ist wohl richtig zu glauben, dass die Vorteile der Globalisierung und eines zunehmend freiheitlich eingerichteten Migrationsrechts so überwältigend sind, dass sie sich allmählich durchsetzen werden. Aber dieser Glaube bringt das Risiko einer gefährlichen Nachlässigkeit mit sich. Denn auch wenn sich die Globalisierung letztendlich durchsetzen wird, kann es deutlich mehr als ein Menschenleben dauern, ehe sie sich von den Rückschlägen erholt, die ihr von den Profiteuren einer protektionistischen Ordnung zugefügt werden. Im Falle der Personenfreizügigkeit dauerte es fast ein Jahrhundert, nach dem ihre erste Version im August 1914 im Gift des Nationalismus ertränkt worden war, ehe sie – wenigstens in Europa – wieder eine Realität werden konnte.
Im beginnenden Jahr werden wir manche etwas schrille Referenz an jene gespenstische Zeit ertragen müssen, als Europa in einen Weltkrieg taumelte. Hier soll diese Analogie nicht überstrapaziert werden, sondern lediglich darauf hingewiesen werden, dass in beiden Jahren die Errungenschaft der Personenfreizügigkeit aufs Spiel gesetzt worden ist. Und die Analogie soll einen allgemeineren, wichtigen Punkt illustrieren: Wohlstand, Aufstiegschancen und Fortschritt sind nicht gottgegeben, sondern hängen von Institutionen ab, die nur dann fortbestehen können, wenn sie von einem politischen Konsens getragen werden. Dieser Konsens kann allzu leicht abhanden kommen, wenn sich Angst mit Überheblichkeit mischt und gemeinsame Identität in angeblich gemeinsamer Herkunft gesucht wird. Aber diese Rückschläge sind vermeidbar. Aus dem Geschehenen kann man lernen.